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"Wir werden noch weiter um den Fortbestand des Teams kämpfen."
(Hans-Michael Holzcer, der noch keinen neuen Sponsor für sein Team gefunden hat)
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20.05.2001 -
Francavilla al Mare (dpa) - Jan Ullrich taugt nur bedingt zum Show-Star. Dennoch wurde der eher nüchterne Olympiasieger mit dem silbernen Ohrring in die «Giro-Boy-Group» aufgenommen, der Mario Cipollini und Marco Pantani vorstehen. Die drei Rad-Vip`s genießen beim 84. Giro d`Italia den Status von Popstars.
Die 200 Meter von den Mannschaftsbussen zum Start des Prologs in Montesilvano wurde für die drei schillerndsten Figuren der Italien-Rundfahrt zum gefährlichen Slalomlauf zwischen den Fans. Die Bodyguards schienen überfordert.
Begeisterung ist keine Frage des Alters. Ullrich stand ein etwa 70-jähriger Rentner in kurzen Hosen und pink gefärbten Haaren im Weg. Pantani wurde von einem Jungen im Getümmel die Mütze vom Kahlkopf gerissen und Cipollini zog die Fotografen magisch an, weil er sich in eine Art Körperstrumpf gezwängt hatte, der mit der Reproduktion seiner Muskeln bedruckt war. In Italien wird Cipollini «König der Löwen» genannt und deshalb posiert er in einer Werbekampagne auf Zeitungsseiten und Plakatwänden mit wild zerzauster Mähne, nur mit Turnschuhen bekleidet, in Raubtier-Lauerstellung.
Der Giro soll dem 34-jährigen Topsprinter, der wie Pantani vor den Augen des Tour de France-Direktors keine Gnade fand und im Juli in Frankreich nicht willkommen ist, viele Fragen beantworten. Vor allem die: «Bin ich alt?» Das fragte Cipollini am Sonntag in der Veranstalter-Zeitung «Gazzetta dello Sport», die jede der 20 Etappen nach einer Verdi-Oper benennt. 30 Tagessiege feierte der schnelle Mann aus der Toscana bisher beim Giro. Cipollini, im März bei Erik Zabels viertem Triumph in San Remo knapp bezwungen, ist sicher: Fortsetzung folgt.
Pantani genießt in Italien Narrenfreiheit anderer Art. Seine mutmaßliche Doping-Vergangenheit mit der vorläufigen Verurteilung wegen «Sportbetrugs» ist vergessen. Die Fans sind aus dem Häuschen und «Tuttosport» erteilte dem Toursieger und Ullrich-Bezwinger von 1998 in einem Kommentar Absolution: «Wir waren immer für dich und werden immer für dich sein.» Die «Gazzetta dello Sport» versuchte den Unterschied zwischen Pantani und den eher blassen Giro-Favoriten Stefano Garzelli und Francesco Casagrande so zu erklären: «Marco ist für alle da.»
«Unglaublich dieser Trubel hier», staunte Giro- und Telekom- Neuling Mathias Kessler über die Besonderheiten des Sport- Enthusiasmus in Italien. Ullrich war zwar noch nie beim Giro, kennt die Tifosi aber aus vielen Rennen in Italien: «Sie sind sehr begeisterungsfähig.» Weniger Angst vor den wilden Fans als Sorge um seine angeschlagene Gesundheit waren am Samstag der Grund dafür, dass sich der erkältete Debütant nicht vor dicht gedrängtem Publikum auf der Rolle warm fuhr.
«Er hatte morgens lange im Bett gelegen, dann inhaliert, um mit seiner Erkältung besser Luft zu bekommen. Dann ist er mit dem Rad vom Hotel zum Start gefahren. Es wäre bei dem ziemlich kühlen Wind nicht gut gewesen, wenn er auf der Rolle vor dem Prolog zu sehr geschwitzt hätte. Deshalb hat er aufs Warmmachen verzichtet», berichtete Teamchef Rudy Pevenage am Sonntag vor Beginn der 1. Etappe von Giulianova nach Francavilla, die Ullrich als 85. des Prologs mit 39 Sekunden Rückstand auf den Träger des Rosa Trikots, Rik Verbrugghe (Belgien), in Angriff nahm. «Ich hoffe, es geht heute einigermaßen», sagte der Olympiasieger, der in Italien Kurs auf seinen zweiten Toursieg nehmen will.
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