Weitere OP in Hamburg geplant

Werner: "Degenkolb hatte Glück im Unglück"


John Degenkolb am Tag vor seinem furchtbaren Unfall im Trainingslager in Spanien | Foto: Cor Vos

24.01.2016  |  Valencia (dpa) - Der schwere Trainings-Unfall in Spanien hat das deutsche Team Giant-Alpecin schwer erschüttert und John Degenkolb vorerst außer Gefecht gesetzt. Der Paris-Roubaix- und Mailand-Sanremo-Sieger erlitt einen Unterarmbruch und Schnittwunden am Oberschenkel, der Lippe und am Unterarm. Zudem wurde ihm ein Teil des linken Zeigefingers fast abgerissen. „An viel kann ich mich nicht erinnern“, schrieb Degenkolb auf seiner Homepage nach seiner Operation unter Vollnarkose. Eine offensichtlich an Linksverkehr gewöhnte Britin, die mit ihrem Geländewagen in die Fahrergruppe fuhr, hatte den Horror-Crash verursacht.

Jetzt wartet der 27-Jährige auf die Erlaubnis der Ärzte für den Rückflug nach Deutschland. „Er soll dort operiert werden. Wir warten auf Grünes Licht der behandelnden Ärzte. Natürlich ist er sehr down, aber er hat Glück im Unglück gehabt“, sagte Degenkolbs-Manager Jörg Werner der Deutschen Presse-Agentur nach dem folgenschweren Unfall, in den auch fünf weitere Profis der Giant-Alpecin-Mannschaft verwickelt waren.

“Er hat eine Platte in den Arm bekommen. Er soll jetzt so schnell wie möglich im BKA-Krankenhaus in Hamburg weiterbehandelt werden“, erklärte Werner weiter. Zur kurz- und mittelfristigen sportlichen Perspektive könne noch nichts gesagt werden. Aber der Start beim ersten großen Saison-Klassiker Mailand-Sanremo am 19. März ist wohl in weite Ferne gerückt, Paris-Roubaix steigt am 10. April. Erst am vergangenen Donnerstag hatte Degenkolb auf dem berüchtigten Kopfsteinpflaster trainiert und sein Namensschild in den Duschen angebracht.

Auch seinen Landsmann Max Walscheid traf es in Spanien schlimm: Der 22 Jahre alte Neoprofi erlitt eine Hand- und eine Schienbeinfraktur. Er wurde am Sonntag via Frankfurt/Main in eine Spezialklinik nach Karlsruhe gebracht, um dort behandelt zu werden, wie das Team erklärte.

Im fernen Australien reagierte Teamkollege Simon Geschke am Rande der am Sonntag zu Ende gegangenen der Tour Down Under mit großer Sorge. „Schockierende Neuigkeiten aus Spanien“, meinte der Tour-de-France-Etappengewinner. „Ich hoffe, alle werden schnell wieder vollständig gesund.“

Am Samstag erlebten Degenkolb und seine Kollegen im Süden Spaniens den Alptraum eines jeden Radfahrers. Auf einer schmalen, kurvenreichen Landstraße zwischen den Ortschaften Benigembla und Parcent in der Provinz Alicante passierte es. Die Polizei machte zunächst keine Angaben darüber, was die Unfallverursacherin bei ihrer Vernehmung ausgesagt hat.

Informationen, mit welcher Geschwindigkeit sie unterwegs war, gab es vorerst auch nicht. „Das Auto hatte nicht mal Zeit zu bremsen“, berichtete der Onkel und Agent des ebenfalls verletzten Franzosen Warren Barguil der Zeitung Le Télegramme.

Den Rettungskräften bot sich ein schreckliches Bild verletzter und blutender Rennfahrer sowie schwer demolierter Rennräder. Der Amerikaner Chad Haga musste mit dem Helikopter in ein Krankenhaus gebracht werden. Jeder im Team sei geschockt, erklärte Team-Physiotherapeut Anko Boelens. Fügte aber auch an: „Wir hatten auch einiges Glück auf unserer Seite.“

Auch Ex-Kollege Marcel Kittel reagierte betroffen: „Furchtbare Nachrichten von meinen alten Teamkollegen aus Spanien. Ich hoffe wirklich sehr, dass alle, die in den Unfall verwickelt waren, okay sind“, schrieb der Erfurter, der beim belgischen Etixx-Team einen Neustart versucht.

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