Tirreno: Wetter-Protoll sorgt für Unwetter

Nach Absage der Königsetappe droht Nibali mit Giro-Boykott

Von Joachim Logisch


Vincenzo Nibali ist sauer, weil die Königsetappe der Tirreno-Adriatico abgesagt wurde.| Foto: Cor Vos

13.03.2016  |  (rsn) - Die Diskussion der Profis über das am 1. Januar 2016 verabschiedeten "Extreme Weather Protocol" der UCI wechselt wie das Wetter im April.

So gehen Vincenzo Nibali und sein Team Astana gerade auf die Barrikaden, weil die 5. Etappe der Fernfahrt Tirreno-Adriatico wegen zu viel Schnee komplett abgesagt wurde. Der Tour-Gewinner von 2014 twitterte zwei Videos, die sein Trainer Paolo Slongo im Ziel auf dem 1200 m hohen Monte San Vicino aufgenommen haben will und die freie Straßen ohne Schnee zeigen. Dazu schreibt Nibali: "Das heutige Ziel! Der gesunde Menschenverstand sollte sich immer durchsetzen. Es tut mir Leid für die Leute, die diesen Sport lieben."

Auch Slongo bestätigte gegenüber Tuttobiciweb: "Es gab keinen Schnee. Wir sind sehr verärgert, weil das Ergebnis verfälscht wurde und BMC die letzte Wertung und die WorldTour-Punkte gewinnen wird." Wegen der in ihren Augen ungerechtfertigten Absage erwägen Nibali und Slongo sogar, auf den Giro in diesem Jahr zu verzichten, um stattdessen  bei der Tour zu starten.

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"Wenn die Leute immer so entscheiden, wenn schlechtes Wetter droht, werden wir über die Pläne für diese Saison nachdenken. Es gibt (beim Giro, d.Red.) drei Bergankünfte. Und wir können nicht zulassen, dass Nibali alles auf den Giro setzt und dann nicht zum Zug kommt", erklärte Slongo.

Auch Radsport-News-Reporter Felix Mattis drehte auf dem Monte San Vicino ein Video, das wir unten eingebettet haben. Es beweist, dass die Straßen tatsächlich freigewesen wären. Allerdings berichtete Mattis auch, dass die beiden anderen Berge auch wegen Glatteisgefahr wohl gefährlicher gewesen wären.

Im Gegensatz zu Slongo und Nibali begrüßen viele Tirreno-Teilnehmer die Absage - allen voran Spitzenreiter Zdenek Stybar (Etixx-Quick Step): "Das ist die richtige Entscheidung". Auch Gianni Bugno, der Vorsitzende der Fahrer-Vereinigung, tritt den Kritikern der Anullierung vehement entgegen: "Endlich haben die Fahrer ein Protokoll, das ihrer Sicherheit vor allem anderen den Vorzug gibt. Es macht mich traurig, dass diese Bemühungen aufgrund von eigenen Interessen angezweifelt werden."

Ärger gegensätzlicher Art gab es nach der 3. Etappe der gleichzeitig stattfinden Fernfahrt Paris-Nizza. Dort wurde bemängelt, dass das Rennen zu spät abgebrochen, bzw. überhaupt gestartet worden war. So twitterte André Greipel (Lotto-Soudal) damals: „Eine Schande, dass trotz all der Technologie, die wir haben, niemand eine Entscheidung treffen kann. Dabei wusste unser Team, dass es in der Verpflegungszone schneien würde

Schon zum Auftakt hatte es Unmut gegeben. “Ein Schneesturm auf dem Weg zum Start, Sonne beim Start und wieder ein kleiner Schneesturm in der Mitte des Rennens. Verhältnisse, bei denen Radfahren richtig Spaß macht….“, schrieb Matthias Brändle (IAM) zum Beispiel in seinem Tagebuch auf radsport-news.com mit leicht ironischem Unterton.

Deutlicher wurde Tom Boonen (Etixx-Quick-Step) gegenüber Sforza. "Es gibt dieses neue UCI-Protokoll und sie befolgen einfach ihre eigenen Regeln nicht. Das ist die größte Erkenntnis, die man aus dieser Etappe gewinnt. Wir sind 200 Kilometer bei beschissenem Wetter gefahren", schimpfte Boonen nach dem Rennen gegenüber Sporza.

Und bei der 29. Clasica de Almeria wurde bemängelt, dass das Schlecht-Wetterprotokoll bei Wingeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h zu spät angewendet wurde.

Man kann es wohl niemandem recht machen. Im Vordergrund muss aber immer die Sicherheit der Fahrer stehen!

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