Profi-Radsport

Hondo: Durch DDR-Schule zum Profi-Examen beim Giro

23.05.2001 -

Potenza (dpa) - Die harte Lehre machte er wie Jan Ullrich und Erik Zabel auf der Kinder- und Jugendsportschule der DDR durch. Das Profi-Examen legte Danilo Hondo beim 84. Giro d Italia mit seinen beiden Etappensiegen in Lucera und Potenza ab. Der Lausitzer mit dem italienischen Vornamen beginnt die einheimische Sprinter-Konkurrenz enorm zu verwirren.

Besonders den Platzhirsch Mario Cipollini, der bisher nur durch seinen extravaganten Ganz-Körper-Rennanzug beim Prolog herausstach. Die Fans küssen ihn, die Landespresse lobt ihn. Die «Gazzetta dello Sport» sah Hondo schon «im Schatten von Erik Zabel», der «Corriere della Sera» schrieb am Mittwoch über den 27-jährigen: «Hondo macht den Cipollini des Giro».

Eine Woche vor dem Start der Italien-Rundfahrt hatte Hondo, 1994 mit dem Bahnvierer Weltmeister, bei der Schlussetappe der Tour de Romandie in Genf gegen «Super-Mario» noch den Kürzeren gezogen. Bei dessen Heimspiel wies Hondo Cipollini bei den schwierigen Ankünften in Lucera und Potenza die Ränge 18 und 27 zu. Der Geschlagene, der bisher vergeblich auf seinen 31. Etappensieg beim Giro wartet, attackierte die Veranstalter, das Profil der Zieleinfahrten durch schmale, kurvenreiche und ansteigende Straßen sei unverantwortlich und sogar lebensgefährlich. «Wenn man gewinnt, nimmt man vieles lockerer, wenn man verliert nicht so», kommentierte Hondo.

Das Profi-Einmaleins hatte Hondo nach den Olympischen Spielen von Atlanta beim Team Agro-Adler erlernt. Etappensiege bei der Friedensfahrt waren das höchste der Gefühle. 1999 wechselte er zu Telekom und stellte in der Anfangsphase wie jetzt gerade Doppel- Olympiasieger Robert Bartko fest: «Alles ist viel schwerer als gedacht». Am Ende seiner ersten Saison bei Telekom hatte Hondo ein Angebot von Cipollinis Saeco-Team, nachdem Gian-Matteo Fagnini als Zabel-Helfer gekommen war. Aber der junge Familienvater blieb, was er spätestens jetzt nicht mehr bereut. Zumal er gerade selbst für die anstehenden Vertragverhandlungen bei Telekom für beste Referenzen gesorgt hat. Marcel Wüst hatte vor vier Jahren den letzten Etappensieg eines deutschen Profis beim Giro gefeiert.

Mit dem Weltcupsieger Zabel will sich Hondo noch nicht messen, obwohl gewisse Verlagerungen der Kompetenzen im nächsten Jahr denkbar wären, wenn seine Entwicklung so rasant voranschreitet. Vielleicht kommt es schon 2002 bei der Tour zu einer Art Ablösung wie zwischen Olaf Ludwig und Zabel 1995. Bisher antwortet Hondo, seit Dienstag auch im Besitz des Trikots des Punktbesten, zu diesbezüglichen Fragen zurückhaltend: «Ich wäre froh, wenn ich einer Super-Karriere wie sie Erik hat, einigermaßen folgen könnte.» Ludwig ist von Hondo begeistert: «Durch diese Siege ist bei ihm eine Art Blockade gebrochen. Er hat gemerkt: Ich kann sie alle schlagen. Diese Saison sollte entscheidend für ihn sein - er hat die Chance genutzt.»

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