Dominanter Canyon-Sprintzug verpasst Timing

Hosking verdrückt Freudentränen: "Nie an Giro-Etappensieg geglaubt"

Von Felix Mattis aus Lendinara


Chloe Hosking (Wiggle-High5) kann es kaum glauben: Ihr erster Giro-Etappensieg. | Foto: Cor Vos

05.07.2016  |  (rsn) - Noch beim Siegerinterview schossen Chloe Hosking (Wiggle-High5) in Lendinara Tränen in die Augen. "Ich werde jetzt schon wieder emotional, aber ich bin einfach so glücklich", sagte die 25-Jährige und strahlte mit der Sonne um die Wette. "Ich habe nie wirklich geglaubt, dass ich in meiner Karriere eine Etappe beim Giro Rosa gewinnen würde. Das jetzt zu schaffen, ist überwältigend."

Hosking hatte gerade die 120 Kilometer lange 3. Etappe von Montagnana nach Lendinara im Massensprint für sich entschieden und die Italienerin Marta Tagliaferro (Alé Cipollini) dabei deutlich auf Rang zwei verwiesen. Dritte wurde Hoskings Teamkollegin Giorgia Bronzini, die am Samstag die 1. Etappe gewonnen hatte und nun auch auf Rang drei mit ausgestreckten Armen ins Ziel kam, weil sie sich sehr für ihre Teamkollegin freute.

"Gio hat gesagt: Chloe, Du sprintest", erklärte Hosking später die Anweisung der zweifachen Weltmeisterin, der sie natürlich nicht widersprechen wollte. "Ich habe nicht zweimal drüber nachgedacht. Wenn man in diesem Team die Chance bekommt, muss man sie auch ergreifen." Und die Australierin tat das in beeindruckender Manier. Sie setzte sich auf der Hochgeschwindigkeits-Anfahrt zum Sprint ans Hinterrad von Barbara Guarischi (Canyon-SRAM) und überraschte die Italienerin auf der 350 Meter langen Zielgeraden nach einer breiten 130-Grad-Kurve mit einem frühen Antritt.

"Ich wusste, dass es auf der Zielgerade Rückenwind geben würde. Deshalb bin ich noch vor der 200-Meter-Marke losgesprintet", so Hosking. Zu diesem Zeitpunkt führte noch Tiffany Cromwell als Anfahrerin für Guarischi das Feld an, doch ihre Sprinterin gestand später: "Normalerweise sprinte ich oft zu früh los, heute war ich zu spät dran."

Als Guarischi auf Hoskings Antritt reagierte war bereits nicht mehr genug Zeit, um noch zu kontern und so wurde die 25-Jährige aus dem deutschen Canyon-SRAM-Team Fünfte. "Wir waren ab vier Kilometer vor dem Ziel alle zusammen und sind einen starken Leadout gefahren", fand Cromwell. "Aber wir haben ihn diese Saison nicht allzu oft üben können und hätten manche Wechsel vielleicht etwas später machen müssen."

Tatsächlich war der Canyon-Sprintzug beeindruckend, weil konkurrenzlos, doch Cromwell fuhr als letzte Anfahrerin bereits einen Kilometer vor dem Ziel an der Spitze und zog das Feld von da an bis um die letzte Kurve, um dann auch noch den Sprint für Guarischi zu lancieren - ein Job für zwei, eigentlich.

Bevor es in Lendinara zum Massensprint kam, hatten auf den letzten 20 Kilometern der hauptsächlich flachen Etappe die US-Amerikanerin Scotti Lechuga (Hagens Berman-Supermint) und Olena Pavlukhina (BTC City Ljubljana) aus Aserbaidschan ihr Glück in der Flucht gesucht. Sie kamen aber nicht weiter als 20 Sekunden vom Feld weg.

Überschattet wurde die Etappe von einem rund 30 Fahrerinnen betreffenden Massensturz. Auch Weltmeisterin Lizzie Armitstead (Boels-Dolmans) ging zu Boden und beendete die Etappe zwar noch, fuhr nach dem Sturz aber ausschließlich am Ende des Feldes und belastete nur noch ihren rechten Arm, während die linke Hand locker auf dem Oberlenker auflag. Im Ziel saß die Britin mit angewinkeltem linken Arm auf dem Bordstein, eine offizielle Diagnose stand am Abend aber noch aus.

Durch die Massenankunft gab es an der Spitze des Gesamtklassements nur minimale Veränderungen. Die US-Amerikanerin Evelyn Stevens (Boels-Dolmans) verteidigte am Independence Day ihr Rosa Trikot, liegt dank einer Bonifikations-Sekunde vom Zwischensprint nun aber drei Sekunden vor der Polnischen Meisterin Katarzyna Niewiadoma (Rabo-Liv). Stevens' Teamkollegin Megan Guarnier ist mit 16 Sekunden Rückstand weiterhin Gesamtdritte vor Elisa Longo Borghini (Wiggle-High5 / + 0:24 Minuten) aus Italien und der Deutschen Claudia Lichtenberg (Lotto-Soudal / + 0:36).

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