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23.08.2008 - Peking (dpa) - Für Sabine Spitz ist der beschwerliche Weg über Stock und Stein zur goldenen Triumphfahrt geworden.
Mit in die Höhe gerecktem Rad und einer deutschen Fahne überquerte die 36-jährige Mountainbikerin bei ihrem nie gefährdeten Sieg zu Fuß die Ziellinie im Laoshan Park. «Das war pure Freude. Ich hatte schon so oft zweite Plätze», sagte die Vize-Weltmeisterin, die der deutschen Olympia-Mannschaft in Peking das 15. Gold bescherte und dabei ihre Prophezeiung wahr machte.
«Ich will Gold», hatte die Olympia-Dritte von Athen vor dem Rennen erklärt. Nach vollbrachter Mission freute sich Sabine Spitz, die die Führung nach der ersten Abfahrt im ganzen Rennen nicht mehr abgab: «Bei Olympia Gold zu gewinnen, ist das Größte. Das ist Wahnsinn.» Als letzte deutsche Radsportlerin hatte Petra Roßner 1992 in Barcelona Gold geholt.
Der Spitz-Vorgabe konnte der beste deutsche Mountainbiker Manuel Fumic (Kirchheim/Teck) nicht folgen. Er belegte im Männer-Rennen nach einem Reifen-Defekt auf der achten und letzten Runde den 11. Platz. Die Franzosen feierten Gold und Silber. Olympiasieger wurde Ex-Weltmeister Fabien Absalon (Frankreich), der ähnlich souverän wie Spitz gewann. Platz zwei ging an Jean-Christophe Peraud vor dem Schweizer Nino Schurter. «Ich habe an Bronze geschnuppert und bin sehr traurig, dass ich durch einen Platten zurückgeworfen wurde», sagte Fumic.
Die Olympiasiegerin aus Murg-Niederhof hatte die 29 Konkurrentinnen auf dem knüppelharten 4,5-Kilometer-Kurs sechs Runden lang zu Statisten degradiert und ließ sich auch durch einen Sturz kurz vor Schluss nicht mehr aus der Bahn werfen. Die spanische Weltmeisterin Margarita Fullana stieg in der vierten Runde aus, Gunn- Rita Dahle aus Norwegen, die in Athen Gold holte, folgte ihr. Chinas Geheimfavoritin Ying Liu fuhr nur auf Rang 12.
Nach ihrem eindrucksvollen Solo kam die unvermeidliche Frage nach Doping. Damit habe sie schon während des Rennens gerechnet, erklärte Spitz den Journalisten hinterher: «Eigentlich hätte ich auf dem Podium mit einem Schild stehen müssen: Leistung ist auch ohne Doping möglich.» Damit war das Thema für sie erledigt.
Präzise wie ein Uhrwerk drehte Sabine Spitz, die extra für Olympia noch einige Kilos abgespeckt hatte, ihre Runden. Bei der ersten Zieldurchfahrt führte sie mit 21 Sekunden, bei der zweiten schon mit 53. Früh war klar, das ihr die Verlegung des Wettkampfes um einen Tag, entgegen den Befürchtungen ihres Trainers und Ehemanns Ralf Schäuble, nichts ausmachte. Auch bei ihrem Rad hatte sie auf das Gewicht geachtet und es bis auf 7,2 Kilogramm tunen lassen.
Die gelernte Chemie-Laborantin «wusste vorher, der schwere, kraftaufwendige Kurs ist auf mich zugeschnitten und das Klima macht mir sowieso nichts aus.» Nach ihrem Triumph setzte sie noch einen politischen Akzent. «Wir sind im Dorf und auf der Strecke und kriegen nicht mit, was draußen wirklich los ist. Olympia ist für uns Athleten eine Scheinwelt - China bleibt für mich ein Land mit zwei Gesichtern. Ich habe leider keinen Einfluss auf die Vergabe der Spiele.»
Die zweite deutsche Starterin, Adelheid Morath (Freiburg), belegte den 18. Platz und wurde trotzdem mit Beifall bedacht. Die Olympia-Debütantin wollte unbedingt durchhalten und schob ihr defektes Rad auf der Felge ins Ziel. 41 Sekunden nach Spitz holte Maja Wloszczowska aus Polen Silber vor der Russin Irina Kalentjewa (+1:17 Minuten).
Für Party bleibt Sabine Spitz einen Tag vor der Abschlussfeier nicht viel Zeit. «Das wird jetzt ganz schön hektisch, weil wir am Sonntag fliegen, aber Feiern muss natürlich sein. Das wird eine kurze Nacht», prophezeite Schäuble, der die heikle Sturz-Situation telefonisch aus Deutschland vom TV-Schirm geschildert bekam, weil er an einem anderen Streckenabschnitt stand. Seine Frau war mit der Pedale an einem Stein hängen geblieben, hatte aber genug Vorsprung, um nicht nervös zu werden.