Profi-Radsport

Nach D-Tour-Sieg auch Mitfavorit für WM

Gerdemann: Der deutsche Radsport braucht Rückenwind

07.09.2008 - (sid/rsn) - Linus Gerdemann hat nach seinem Sieg bei der Deutschland-Tour das Startsignal für einen deutlich größeren Kraftakt gegeben. "Der deutsche Radsport braucht noch viel Rückenwind. Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann. Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch längst nicht angekommen", erklärte der Hoffnungsträger einer gebeutelten Sportart. Mit dem vierten Platz im abschließenden Zeitfahren in Bremen hatte er zuvor den größten Erfolg seiner Karriere perfekt gemacht.

Nach seinem doppelten Beinbruch im Frühjahr hatte die Saison für Gerdemann damit doch noch ein Happy-End. "Mit diesem Erfolg habe ich mein Ziel für dieses Jahr erreicht. Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe." Bei der in drei Wochen in Varese/Italien stattfindenden WM gehört er in seiner jetzigen Form zum Kreis der Titelkandidaten.

"Ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen"

Der sportliche Triumph ist für Gerdemann jedoch nur die eine Seite der Medaille. Zugleich hofft er, als Vertreter einer neuen Generation von Radsportlern die Richtung für eine bessere Zukunft vorgeben zu können. "Ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen. Wir müssen dahin kommen, dass man sich für Siege nicht mehr rechtfertigen muss", meinte der Columbia-Fahrer und verwies auf die "innovativen Dopingkontrollen" bei der Deutschland-Tour.

Allerdings hat der Kampf um mehr Glaubwürdigkeit nach zwei düsteren Jahren mit dem tiefen Fall einstiger Helden und regelmäßigen Rückschlägen durch neue Doping-Skandale gerade erst begonnen. Dessen ist sich auch Gerdemann bewusst: "Natürlich ist Skepsis weiterhin angebracht. Aber zu behaupten, im Radsport würde weiter systematisch gedopt, wäre ebenso falsch, wie zu glauben, alle seien sauber."

Dass ausgerechnet Gerdemanns 23 Jahre alter Teamkollege Tony Martin das Zeitfahren zum Tour-Abschluss gewann, passte dabei ins Bild. "Ich glaube, dass die Erfolge von uns jungen Fahrern zu mehr Glaubwürdigkeit beitragen. Dafür muss jeder von uns kämpfen", sagte der Cottbuser, der seine erste Profisaison bestreitet.