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27.09.2008 - (sid/rsn) - Als am Freitagabend rund 20 Carabinieri der Spezialeinheit NAS das Hotel "Gonzago" in Gaggiolo stürmten und die Zimmer der luxemburgischen Mannschaft um Fränk Schleck auf den Kopf stellten, hatte das Thema Doping die Straßenrad-WM im italienischen Varese wieder eingeholt. Mehr als acht Stunden dauerte die Razzia, angeblich waren die Ermittler auf der Suche nach einem in Italien verbotenen Sauerstoffzelt zur Simulation eines Höhentrainings.
Die Razzia hat wohl nichts mit den Enthüllungen der Süddeutschen Zeitung zu tun. Sie begann, bevor der Artikel mit den Anschuldigungen gegen den älteren der beiden Schleck-Brüder veröffentlicht wurde. Demnach soll der Sechste der diesjährigen Tour de France im März 2006 insgesamt 6991 Euro auf das Konto - Deckname "Codes Holding" - des Madrider Dopingarztes Eufemiano Fuentes bei der Genfer Bank HSBC überwiesen haben. Entsprechende Dokumente seien vom Bundeskriminalamt in Wiesbaden an die luxemburgische Anti-Doping-Agentur weitergeleitet worden. Trotz der Anschuldigungen wird der 28-Jährige am Sonntag im Straßenrennen aber wohl starten können. "Natürlich sind wir an den Dokumenten interessiert. Bislang kenne ich aber nur den Zeitungsbericht, mehr haben wir nicht. Die UCI wird sich an die Regeln halten, zur Zeit haben wir keine Handhabe. Deshalb kann Schleck starten. Nur der Luxemburger Verband könnte ihn sperren", sagte UCI-Präsident Pat McQuaid auf einer Pressekonferenz.
Schleck könnte die Nummer 25 auf der Kundenliste von Fuentes sein. Dort wird ein gewisser "Amigo de Birillo" geführt. "Birillo" war der Kundenname des früheren Schleck-Teamkollegen Ivan Basso, der seine Verwicklung in den Fuentes-Skandal eingestanden hatte und noch bis Oktober eine Sperre absitzt. "Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre ich sehr enttäuscht", sagte McQuaid.
Die Razzia am Freitag scheint Schleck derweil nicht sonderlich beeindruckt zu haben. "Das habe ich schon beim Giro erlebt. Das ist in Italien so üblich", sagte der CSC-Saxo Bank-Fahrer lapidar. Gegen Schleck ("Ich kenne Fuentes überhaupt nicht") waren schon während der Tour de France Doping-Anschuldigungen aufgekommen. Damals hatte die Polizei das Auto seines Vaters durchsucht.
Ob die Ermittler diesmal fündig wurden, ist bislang nicht bekannt. Das Sauerstoffzelt ist laut den Regeln der UCI zwar erlaubt, nicht aber in Italien, das eine wesentlich strengere Doping-Gesetzgebung aufweist. Die Staatsanwaltschaft ist vermutlich durch einen Vermerk des Luxemburgers Benoit Joachim im auszufüllenden Formular bei der im Anschluss an das Zeitfahren am Donnerstag durchgeführten Anti-Doping-Kontrolle aufmerksam geworden. Dort soll Joachim, der Platz 49 belegt hatte, ein "T" vermerkt haben, was die Benutzung eines Sauerstoffzeltes bedeutet. Joachim musste bei der Razzia auch gleich zur Blutkontrolle.