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12.10.2008 - Paris (dpa/rsn) - Erik Zabel hat sich auf der Avenue de Grammont in Tours mit einem siebten Platz vom Profistraßenradsport verabschiedet. Am Vormittag hatte sich der 38-jährige gebürtige Berliner zur 102. Auflage des Herbstklassikers Paris-Tours mit der Startnummer 91 im Pariser Vorort Saint-Arnould-en-Yvelines zum letzten Mal für ein Straßenrennen registrieren lassen.
In Tours blieb dem Milram-Kapitän nach 252 Kilometern unter strahlender Herbstsonne zwar ein vierter Triumph – nach 1994, 2003 und 2005 – verwehrt. Platz sieben beim Sieg des Belgiers Philippe Gilbert (Fdjeux) war aber aller Ehren wert. Der seit vielen Jahren im westfälischen Unna lebende Zabel ließ aber immerhin Sprint-Koryphäen wie den Italiener Daniele Bennati (Liquigas/8.) und den Belgier Tom Boonen (Quick Step/10.) hinter sich.
Mit dem vor 14 Tagen bei der WM in Varese verkündeten Rücktritt auf Raten - die kommenden Sechstagerennen in Amsterdam, Dortmund und München sollen den Kreis schließen - endet eine Ära, die lange Zeit im Schatten seines damaligen Teamkollegen Jan Ullrich stand. Erik Zabels aus deutscher Sicht beispielloser Parforceritt endete nach 16 Profi-Jahren und 211 Siegen. Kaum anzunehmen, dass er wie Lance Armstrong zum «Wiederholungstäter» werden könnte.
Vor drei Jahren hatte Zabel letztmals in der Festungsstadt Tour triumphiert, damals war es sein Abschiedsrennen im T-Mobile-Trikot gewesen. Den Bonner Rennstall hatte Zabel nach 13 Jahren verlassen, weil er dort seine Leistungen nicht mehr ausreichend gewürdigt fand. So hatte ihn die Sportliche Leitung 2005 nicht mehr für die Tour de France nominiert. Beim neu gegründeten Milram-Rennstall sollte er eine Doppelspitze mit dem Italiener Alessandro Petacchi bilden, aber meistens fungierte Zabel als letzter Anfahrer für den Supersprinter aus La Spezia. So auch bei der 101. Auflage von Paris-Tours, die Petacchi im vergangenen Jahr gewann. Im Mai 2008 hatte der Italiener Milram wegen Dopings verlassen müssen. Zabel war dieses Schicksal erspart geblieben, nachdem er 2007 er in einer spektakulären TV-Beichte gestanden hatte, eine Woche lang bei der Tour 1996 gedopt zu haben.
Zabel, der seine Karriere 1989 in der damaligen DDR-Nationalmannschaft begann, war unter anderem zweimal Vize-Weltmeister (2004/2006), Weltcupsieger (2000) und deutscher Straßenmeister (1998/2003). Sein Lieblingsrennen Mailand-San Remo gewann er gleich viermal, dazu kamen Siege beim Amstel Gold Race und den Hamburger Cyclasscis. In diesem Jahr verbuchte der zweimalige Vize-Weltmeister und Sportler des Jahres 2001 bei der Valencia-Rundfahrt noch einmal einen Etappenerfolg.
Triumphe feierte Zabel aber vor allem bei der Tour de France. Zwischen 1995 und 2002 gewann er zwölf Tour-Etappen und sechsmal in Folge das Grüne Trikot des besten Sprinters – eine bis heute unerreichte Rekordmarke.
Vom heimischen Publikum hatte sich Zabel schon Ende der vergangenen Woche verabschiedet. Von zehntausenden Zuschauern bejubelt hatte er sich am 3. Oktober beim Münsterland-Giro nach 204km von Bocholt nach Münster nur dem Rostocker Andre Greipel (Columbia) geschlagen geben müssen.