Team Strassacker - Rennbericht

Ötztaler Radmarathon: Ein Kampf mit den Elementen

Von Joscha Weber

Foto zu dem Text "Ötztaler Radmarathon: Ein Kampf mit den Elementen"
Christoph Mai | Foto: Team Strassacker

04.09.2018  | 

Er ist so etwas wie die inoffizielle WM der Hobby- und Amateur-Radsportler: der Ötztaler Radmarathon. In diesem Jahr machte das Wetter den „Ötzi“ zu einem epischen Rennen: Regen, Kälte und Nebel verwandeltem den Marathon in ein archaisches Spektakel - mit starken Resultaten für das Team Strassacker.

Wie aus dem Nichts tauchen da zwei Kühe auf.
Zwei ziemlich stattliche Viecher mit großen Hörnern und beachtlichem Körperumfang sind im dichten Nebel aufgetaucht und versperren uns den Weg. Sie blicken uns an und bleiben gemütlich in der Mitte der Fahrbahn stehen.

Wir bremsen ab und überlegen, wo wir jetzt an den beiden Bergbewohnern vorbeifahren sollen. Hier oben auf dem Kühtai haben Kühe Vorrang, besagt eine Verordnung des österreichischen Rechts von 1965. Wir müssen also warten. Zum Glück bewegen sich die beiden langsam von der Straße und unsere Gruppe kann die Fahrt hinauf zum Kühtai-Sattel fortsetzen.

Die tierische Begegnung sollte nur eine von vielen Hürden
an diesem Tag bleiben. Schon auf der Abfahrt hinab ins Tal nach Innsbruck wird es brenzlig: Regen, Nebel, nasse Fahrbahn und klamme Finger machen die Fahrt zum riskanten Fast-Blindflug. An die sonst hier üblichen Spitzengeschwindigkeiten von jenseits der 100 km/h ist nicht zu denken.

Trotz der widrigen Bedingungen haben sich unsere FahrernFlorian Vrecko, Nils Kessler und Chris Mai in den vorderen Positionen festgesetzt, gehen von Innsbruck aus in einer aussichtsreichen Gruppe in den langen Anstieg zum Brenner-Pass.

Derweil ist für zwei andere Strassacker-Athleten das Rennen
leider bereits beendet: Jan Münch wird durch einen Sturz vor ihm auf der Abfahrt hinab nach Ötz ausgebremst, sein Rad stark beschädigt. Und Caspar Rüter muss im Kühtai einsehen, dass mit einer Erkältung kein Ötztaler möglich ist. Bevor er das Rennen aufgibt, repariert er jedoch noch meine Schaltung, als ich mich am Einstieg des Kühtai-Anstiegs unfreiwillig lang gemacht hatte – echtes Teamwork.

An der Spitze muss Chris Mai am Jaufen bei weiter kühlen Temperaturen reißen lassen. „Dort bin ich mal wieder traditionell geplatzt“, wird er später sagen, kommt aber dennoch in starken 7:51 Std. ins Ziel. Florian Vrecko und Nils Kessler beißen sich hinter der enteilten Favoriten-Gruppe fest. Vrecko ist am Jaufenpass noch 18., verbessert sich nach der rutschigen Abfahrt nach St. Leonhard am Timmelsjoch auf Gesamt-Platz 12 und verteidigt diesen bis ins Ziel.

Zwei Plätze dahinter kommt Nils Kessler über den Zielstrich
in Sölden, auch er steigert sich kontinuierlich während des Rennens. Das starke Team-Ergebnis rundet Christian Thomas ab, der als A-Amateur zuletzt eher auf kurze Rundstrecken spezialisiert war. Der Düsseldorfer kommt in 8:02 Std. ins Ziel.

Für mich reicht es nach Sturz und mehrerer Defekt-Stops noch zu einer Zeit von 8:31 Std., und kurz dahinter kommt völlig durchgefroren Florian Bauer ins Ziel, in 8:39 Std. Im Endergebnis bedeuteten die Zeiten Platz vier in der Team-Wertung hinter union-sporthuette.at, Team corratec und dem DT Swiss Factory Team, elf Minuten fehlen zum Podium.

„Die Holz-Medaille ist immer undankbar.
Aber bei diesen schwierigen Bedingungen können wir dennoch zufrieden sein mit den Leistungen unserer Fahrer“, sagt Team-Chef Franco Adamo, auf dessen Mannschaft nun noch ein großes Saison-Highlight wartet: der Riderman im Schwarzwald, ein Drei-Etappen-Rennen vom 21. bis 23. September.

Die Strassacker-Ergebnisse beim Ötztaler Radmarathon
(nach Altersklasse):
5. Florian Vrecko (7:25 Std.)
8. Nils Kessler (7:26 Std.)
39. Chris Mai (7:51 Std.)
58. Christian Thomas (8:02 Std.)
108. Joscha Weber (8:31 Std.)
128. Florian Bauer (8:39 Std.)
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