Profi-Radsport

«Gazzetta» vermutet Vorladung von Ullrich

28.06.2001 -

Mailand (dpa) - Jan Ullrich könnte in seiner Tour-Vorbereitung noch eine Störung erfahren und zur Staatsanwaltschaft nach Florenz vorgeladen werden. Nach einem Bericht der italienischen Sportzeitung «Gazzetta dello Sport» sei es «wahrscheinlich», dass Staatsanwalt Bocciolini Ullrich im Zuge der Doping-Ermittlungen des vergangenen Giro d`Italia «zu einem Gespräch nach Florenz» einlädt.

«Das kann ich mir nicht vorstellen, wir haben nach wie vor nichts in der Hand aus Florenz», entgegnete darauf Telekom-Teamsprecher Olaf Ludwig. Laut «Gazzetta» solle indes gegen «mehrere Personen des Telekom-Teams» förmlich ermittelt werden. Hintergrund sind im Fall Ullrich die Funde von verbotenen Kortekoid-Präparaten, die den Polizisten bei der Giro-Razzia am 6. Juni in San Remo in die Hände gefallen waren. Allerdings besitzt der Olympiasieger zur Verwendung dieser Medikamente ein ärztliches Attest, weil Ullrich an allergischem Asthma leidet. Außerdem ist dieses Leiden in seinem Gesundheitspass, den jeder Radprofi nach dem Tour-Skandal 1998 führen muss, eingetragen.

Der Staatsanwalt hat mit den Verhören der 86 bei der Razzia auffällig gewordenen Personen begonnen. Erster Kandidat war der italienische Radprofi Dario Frigo, bei dem Polizisten den Blut-Ersatzstoff «Hemassist» - das Präparat wurde 1998 nach einer Testphase vom Markt genommen - gefunden hatten. Frigo, der als zweiter der Gesamtwertung von seinem Team im Anschluss an die Razzia aus dem Rennen genommen wurde, hatte in ersten Verhören Doping geleugnet. In den nächsten Tagen soll Marco Pantani, der vor zwei Tagen den zweifachen Toursieger Lance Armstrong (USA) unter Doping-Verdacht gestellt hatte, aussagen.