Profi-Radsport

Armstrong feiert Doppelsieg - Ullrich verliert Duell erneut

18.07.2001 -

Chamrousse (dpa) - Lance Armstrong marschiert mit Siebenmeilenstiefeln auf seinen dritten Toursieg in Folge zu. Der 29-jährige Texaner bestätigte seine Gala-Leistung vom Vortag und versetzte Jan Ullrich einen weiteren Schlag. Armstrong nahm bei seinem zweiten Sieg innerhalb von 24 Stunden Herausforderer Ullrich weitere 60 Sekunden ab

Im Bergzeitfahren in den 1730 Meter hoch gelegenen Wintersportort Chamrousse war der zweifache Toursieger auch auf der 11. Etappe über 32 km nicht zu bezwingen und feierte nach seinem Triumph von L`Alpe d`Huez einen Doppelsieg in 1:07:27 Stunden. Er ist auf dem besten Weg, mit seinem drei Mal erfolgreichen Landsmann Greg LeMond gleich zu ziehen. Allerdings versperren dem Amerikaner im Gesamtklassement immer noch Spitzenreiter Francois Simon (Frankreich/13:07 Minuten Vorsprung vor Armstrong) und Andrej Kiwilew (Kasachstan/2:06) den Weg zum Gelben Trikot. Der in Chamrousse wie in L`Alpe d`Huez zweitplatzierte Ullrich liegt im Gesamtklassement jetzt auf Rang fünf bereits 3:34 Minuten hinter dem Vorjahressieger.

«Ich bin den Zeitfahr-Parcours in der Vorbereitung sechs oder sieben Mal abgefahren. Es lief heute perfekt bei mir, trotzdem war mein Sieg für mich nach der Anstrengung gestern eine große Überraschung. Aber ich hatte eine Extra-Motivation: Meine Frau und mein Sohn haben mich besucht», sagte ein zufriedener Armstrong, dessen Frau im Dezember Zwillinge erwartet. Am Abend im Hotel will sie das Geheimnis der Ultraschall-Untersuchung lüften. Armstrong: «Der Arzt hat auf einen Zettel geschrieben, ob es Jungen oder Mädchen werden. Der Umschlag wird heute geöffnet.»

Ullrichs zweite Niederlage in Folge könnte sein diesjähriges Tour-Schicksal besiegelt haben. Rang zwei in der Endabrechnung könnte wie 1996, 1998 und 2000 wieder das Maß aller Dinge für ihn sein. Allerdings liegen noch drei schwere Pyrenäen-Etappen und das 61 km lange Einzelzeitfahren von Montlucon vor Armstrong, Ullrich und den anderen. Trotzdem wirkt der US-Postal-Kapitän zurzeit unverwundbar. «Nicht ich bin das größte Talent im Radsport wie Lance immer sagt, sondern er selber. Ich habe heute alles gegeben - mehr war nicht drin. Die drei Pyrenäenetappen sind so schwer, da kann man jeden Tag attackieren, wenn die Beine gut sind», sagte Ullrich.

«Armstrong ist unantastbar, er fährt in einer anderen Liga als wir alle», sagte der Prologsieger Christophe Moreau (Frankreich), der nach seinem vierten Rang des Vorjahres diesmal in Paris einen Podiumsplatz im Auge hat. «Jan probiert jetzt bestimmt, eine Etappe in den Pyrenäen zu gewinnen», vermutete der Berliner Jens Voigt, der in Colmar für einen Tag das Gelbe Trikot getragen hatte, eine geänderte Zielsetzung des Toursiegers von 1997.

Nach 13,5 km hatte der Vorjahressieger USA mit Bestzeit elf Sekunden Vorsprung vor Ullrich, der sich vor zwei Jahren in Italien den Weltmeister-Titel im Zeitfahren geholt hatte und auch in Sydney schneller als Armstrong im Kampf gegen die Uhr war. Nur auf den ersten sechs Kilometern konnte Ullrich das Duell gegen den Weltranglisten-Ersten aus den USA offen halten. Nach 21,5 km hatte Armstrong 47 Sekunden Vorsprung, ließ dann kurz nach, verlor fünf Sekunden auf einen aufopfernd kämpfenden Ullrich, zog im Finale aber noch ein Mal an. Zweitbester Deutscher in Chamrousse war Ullrichs Team-Kollege und Freund Andreas Klöden (Cottbus/1:11:55 Stunden).

Nach strömendem Regen am Vormittag waren die Straßen zur Startzeit der stärkeren Fahrer abgetrocknet. Die letzten 18,7 km des Anstiegs in den Austragungsort der alpinen Ski-Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele 1968 wiesen über sieben Steigungs-Prozente auf. Wie bei seinem Sieg bei der Generalprobe im Bergzeitfahren während der Tour de Suisse und seinem Parforceritt nach L`Alpe d`Huez benutzte Armstrong wieder eine wesentlich kleinere Übersetzung als Ullrich. Damit liegt die Frequenz seiner Tritte wesentlich höher.

Am 19. Juli steht der erste von zwei Ruhetagen bevor. Allerdings wird die Ruhe für die Fahrer durch einen 700 km-Flug getrübt. Der zweite Ruhetag ist nach den drei Pyrenäen-Etappen in Pau programmiert.

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