Profi-Radsport

Kein Pardon für Verkehrs-Rüpel - 1500 Polizisten passen auf

20.07.2001 -

Paris (dpa) - Die Tour de France soll für Fahrer und Zuschauer immer sicherer werden. Für Verkehrsrüpel in der Tour-Karawane gibt es daher kein Pardon mehr. Die Fahrer der etwa 1500 Begleitfahrzeuge mussten sich vor dem Start der dreiwöchigen Frankreich-Rundfahrt erstmals schriftlich zur Disziplin verpflichten.

Neuerdings wird hart durchgegriffen: Ein Fahrer aus der Werbekolonne war zu schnell durch eine Ortschaft gefahren und musste für zwei Tage das Steuer aus der Hand geben. Auch ein deutscher Journalist erhielt für 24 Stunden die Rote Karte. Die Zeiten des rechtsfreien Raums auf den Straßen der Tour de France sind vorbei.

«Wir haben extra ein Radar-Gerät angeschafft», sagt der Sicherheitsbeauftragte der Tour-Gesellschaft, Olivier Queguiner. Die Gesamtausgaben für Sicherheit bezifferte er für dieses Jahr auf «unter 10 Millionen Francs» (etwa drei Millionen Mark/1,53 Millionen Euro). Nach dem tödlichen Verkehrsunfall eines 12-jährigen Jungen im vergangenen Jahr wurden die Regeln nicht nur verschärft, sie werden auch überwacht. Pro Etappe sind knapp 1500 Polizisten am Straßenrand im Einsatz. Auf Motorrädern unterwegs sind außerdem 45 Mitglieder der Republikaner-Garde, Frankreichs Gendarmen-Elite, sonst für den Schutz des Präsidenten zuständig.

Die Zeiten sind vorbei, als die Tour-Akkreditierung einem Freifahrtschein glich, und die Fahrt durch eine Einbahnstraße in verkehrter Richtung mit Tempo 100 fast als Kavaliersdelikt betrachtet wurde. Jetzt gelten - annähernd - die gleichen Begrenzungen der Geschwindigkeit wie für normale Autofahrer. Zwischenfälle wie am 14. Juli in Colmar, wo ein anscheinend geistig verwirrter Amokfahrer in eine Menschengruppe fuhr und vier Menschen verletzte, sind nach Einschätzung Queguiners allerdings «bedauerliche Einzelfälle, die nicht vorhersehbar sind».

Für die Radprofis selbst sind die gefährlichsten Momente der 3456 km langen Tour die Bergetappen, auf denen begeisterte Zuschauer auf engen Straßen hautnah an die Fahrer herankommen, wo Familien in ihren Wohnwagen die Straßenränder blockieren und es keine Ausweichstrecken gibt. «Angesichts des Gefahrenpotenzials ist es erstaunlich, dass so wenig passiert», sagte ein langjähriger Tour-Begleiter. Vor dem Ziel der Bergetappen wurden bereits in den vergangenen Jahren die Absperrungen verlängert. Fünf Kilometer vor der Ziellinie gibt es keinen Körperkontakt mehr zwischen Fahrern und Zuschauern. Die drei Pyrenäen-Etappen stellen dabei besondere Anforderungen an das Sicherheits-Personal.

Neu sind in diesem Jahr Lautsprecher-Wagen vor und hinter der Karawane, die an die Vernunft der Zuschauer appellieren. «Nicht die Straße überqueren, Kinder an die Hand nehmen und schön am Straßenrand bleiben», so lauten die Ermahnungen. Doch Fernsehbilder mit aufdringlichen Zuschauern, die Fahrer mit Wasser besprühen, sie anfassen, bedrängen und auf steilen Berg-Passagen dicht neben ihnen herlaufen, wird es immer geben. «Man kann nicht die gesamte Strecke absperren», sagt Queguiner. «15 Millionen begeisterte Zuschauer sind nicht zu kontrollieren».

Dennoch gibt es in der fast 100-jährigen Tour-Geschichte immer wieder Neuerungen, die die Sicherheit der Profis verbessern. Gut bewährt haben sich die im vergangenen Jahr eingeführten Licht- und Ton-Signale, die auf Gefahrenstellen wie enger werdende Straßen oder gefährliche Kurven aufmerksam machen. «Die Fahrer können so besser aufpassen, das wirkt, es gibt weniger Stürze», sagt Queguiner.

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