Zitat der Woche:
"Ich kann noch gar nicht begreifen, dass ich jetzt Zweiter der Tour bin!"
(Gerolsteiner-Profi Bernhard Kohl nach der 15. Tour-Etappe)
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21.07.2001 -
Saint-Lary-Soulon (dpa) - Lance Armstrong ist auf den Spuren seines amerikanischen Landsmannes Greg LeMond und steht unmittelbar vor seinem dritten Toursieg in Folge. Sein großer Herausforderer Jan Ullrich hat in einem dramatischen Schlagabtausch alles gegeben, aber wieder verloren.
Der 29-jährige Texaner, der sich in Saisnt-Lary-Soulon das Gelbe Trikot und seinen dritten Etappensieg holte, ist bei der 88. Frankreich-Rundfahrt der unerreichbare Überflieger. Der Olympiasieger aus Merdingen stemmte sich auf der schwersten Pyrenäen-Etappe mit großem Kämpferherzen gegen eine erneute Niederlage - vergeblich. Ullrich steckte auf der hoch dramatischen 13. Etappe sogar einen böse aussehenden Sturz eine Böschung hinunter weg und stieg sofort wieder auf sein Rad.
Nach diesem Missgeschick seines härtesten Konkurrenten auf der Abfahrt vom Peyresourde präsentierte sich Armstrong auch als Musterknabe in Sachen Fair Play und wartete. In der Endabrechnung nach 194 km hatte der zweifache Toursieger aus Texas seinen Vorsprung auf den deutschen Meister erneut um eine weitere Minute auf jetzt 5:13 Minuten vergrößert. «Ich hatte mir vorgenommen, heute einen Riesen-Angriff zu starten und habe dabei zu viel riskiert. Bei der Abfahrt vom Peyresourd funktionierten meine Bremsen nicht so toll und ich hatte viel Glück. Als ich wieder bei Lance war, fragte er, ob ich okay bin - das war eine schöne Geste», sagte Ullrich im 1680 Meter hoch gelegenen Ziel nach einer denkwürdigen Etappe.
Der vorletzte Pyrenäen-Abschnitt mit sechs Bergprüfungen war bei «Ullrich-Wetter» an Dramatik nicht zu übertreffen. Bei seinem Unfall hatte der Telekom-Kapitän einen Schutzengel ganz eng neben sich. Bei der rasenden Abfahrt fuhr er in einer Kurve geradeaus und erwischte eine Lücke in der Leitplanke, so dass Ullrich relativ weich eine bewachsene Bösung hinunterstürzte und sich überschlug. Er rappelte sich sofort auf, nahm sein Rad und krabbelte wieder hoch zur Straße, wo sein Team-Kollege Kevin Livingston, im Vorjahr noch in Armstrong- Diensten, wartete.
Das gleiche tat weit vor den beiden auch der Titelverteidiger. Armstrong, dem in den vergangenen Tagen auch aus dem Telekom-Lager Arroganz vorgeworfen wurde, weil er den unterlegenen Ullrich in den Alpen gedemütigt habe, nahm den Kampf mit seinem Herausforderer erst wieder auf, als Ullrich den Anschluss wieder geschafft hatte. Im Ziel jubelte Armstrong mit in den Himmel gestreckten Armen wie vor sechs Jahren bei seinem Etappensieg in Limoges zu Ehren seines 1995 am Portet d`Aspet tödlich verunglückten Team-Kollegen Fabio Casartelli. «Das war heute ein schwieriger Tag mit großen Emotionen. Ich habe für Fabio gewonnen. Das hatte ich mir vorgenommen», erklärte Armstrong im Ziel in Saint-Lary-Soulon. Am Morgen hatte die Tour- Karawane die Unglücksstelle nach 72 km passiert.
Ullrich hatte nach seinem Sturz unbeirrt weitergekämpft und versuchte immer wieder, sich von dem übermächtigen Armstrong, der den Toursieger von 1997 in den Alpen zwei Mal düpiert hatte, zu lösen. Doch der Amerikaner, der 1997 den Krebs besiegt hatte, war ein Mal mehr zu stark und ließ sich auch durch Angriffe des aussichtsreichen Spaniers Joseba Beloki nicht aus der Ruhe bringen. Fünf Kilometer vor dem Ziel setzte er sich von Ullrich ab.
Telekom-Teamchef Rudy Pevenage hatte schon beim Start in Foix die Parole ausgegeben: «Lieber versuchen wir es mit weiteren Attacken, als einen weiteren, möglichen zweiten Platz zu sichern. Jan war ja schon drei Mal Zweiter. Das hätte keinen großen Wert mehr. Wir müssen etwas riskieren.» Ullrich setzte die Forderung seines Chefs schon auf dem dritten Anstieg vor dem Ziel in die Tat um und übertrieb sogar das Risiko. «Am Sonntag wird es noch ein Mal genauso schwer. Jan erholt sich gut und wird es weiter versuchen, aber Lance ist im Kampf Mann gegen Mann stärker», gab Pevenage zu.
Das Team Telekom hat auf der vorentscheidenden Etappe den ersten Fahrer verloren. Steffen Wesemann (Wolmirstedt) stieg nach 98 km an der Verpflegungsstelle wegen Entkräftung aus. Der Pechvogel des Frühjahres hatte bisher bei dieser Tour keine Akzente setzen können und lag am Start der 13. Etappe auf Rang 88 mit 1:23:37 Stunden Rückstand. Armstrongs US Postal-Team hatte schon in der vergangenen Woche den zwei Mal gestürzten Christian Vandevelde (USA) verloren.
Die ersten Aktivitäten des vorletzten Tages in den Pyrenäen war von dem zweifachen Etappensieger Laurent Jalabert ausgegangen, der in einer Ausreißergruppe fuhr. Der Franzose, der auf der letzten Abfahrt ebenfalls stürzte und erst kurz vor dem Ziel von den Top-Fahrern überholt wurde, war scharf auf das Bergtrikot, dass er sich in Saint- Lary-Soulon überstreifen konnte.
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