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06.03.2002 -
Padua (dpa) - Die italienische Justiz hat ihre Dopingermittlungen gegen die Teilnehmer des letzten Giro d`Italia weiter ausgeweitet. Neben der bereits seit Monaten ermittelnden Staatsanwaltschaft Florenz leitete nun auch die Staatsanwaltschaft Padua Ermittlungsverfahren gegen Ivan Gotti und 59 weitere namentlich noch nicht genannte Radprofis ein.
Wie die römische Zeitung «La Repubblica» berichtete, trug Staatsanwältin Paola Cameran mit Hilfe von versteckten Videokameras in den Hotelzimmern der Radprofis «schockierende» Beweismittel zusammen.
Den Profis würden Verletzung des Dopinggesetzes, Sportbetrug und illegale Einfuhr von in Italien nicht zugelassenen Arzneimitteln vorgeworfen. Bei einer Verurteilung drohen den Profis Haftstrafen von bis zu drei Jahren.
Beim Giro 2001 sollen die Profis von dem Sportmediziner Enrico Lazzaro das Blutdopingmittel Epo und andere leistungssteigernde Mittel wie Insulin, Coffein und Anabolika verabreicht bekommen haben. Die «La Repubblica» zitierte aus den 400 Stunden umfassenden Videoaufzeichnungen der Staatsanwaltschaft Gespräche der Radprofis untereinander und zwischen Radprofis und Dr. Lazzaro in dessen Behandlungszimmer. Auf Lazzaros Frage, was er denn für einen Radprofi tun könne, antwortete der: «Geben sie mir ein bisschen Epo.» Eine weitere Videosequenz zeige, wie Dr. Lazzaro einem Radprofi davon abriet, Insulin zu nehmen, weil er beim Zeitfahren am nächsten Tag ansonsten einen Leistungseinbruch riskieren würde.
Auch untereinander sprachen die Radprofis auf ihren Zimmern offen über Doping. Vor einer Bergetappe sagte ein Radprofi zu einem Kollegen, das man dafür ein Kortisonpräparat nehmen solle. Aus den Videoaufzeichnungen ginge außerdem hervor, dass auch Teamchefs über die Dopingverabreichungen informiert waren.
Ihren Ausgang hatten die Ermittlungen in den Durchsuchungen des Wohnmobils von Ivan Gottis Schwiegereltern genommen. Diese hatten Gotti beim Giro von Etappe zu Etappe begleitet, anscheinend um ihn außerhalb der Teamhotels mit den nötigen Präparaten zu versorgen. Laut Gotti handelte es sich bei den im Camper beschlagnahmten Arzneimitteln nur um Asthma- und Allergiepräparate, die ihm in seinem Gesundheitspass vom Radsportweltverband (UCI) genehmigt worden seien.
Die Durchsuchung von Gottis Camper veranlasste die Staatsanwaltschaft Padua aber dennoch zu den weiteren Ermittlungen in den Hotelzimmern der Radprofis. Auch die Staatsanwaltschaft Florenz, die wenig später in San Remo mit der größten Razzia in der Geschichte des Radsports für Aufsehen sorgte, nutze die Ermittlungsergebnisse von Padua. In Florenz wurden gegen rund 90 Radprofis und Betreuer Ermittlungsverfahren eingeleitet. Zu den Verdächtigten gehört auch Team Telekom-Kapitän Jan Ullrich, bei dem Asthma-Präparate gefunden wurden, die dem Tour-de-France-Gewinner jedoch wegen seines Asthma- Leidens vom UCI erlaubt wurden.
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