Profi-Radsport

Erster Etappensieg für Voigt

25.07.2001 -

Sarran (dpa) - Jens Voigt ist am Ziel seiner Träume. Der 29-jährige Mecklenburger, der abwechselnd in Berlin und Südfrankreich lebt, gewann die erste Tour-Etappe seiner Karriere. Voigt, der nach der 7. Etappe einen Tag das Gelbe Trikot tragen durfte, war Mitglied einer siebenköpfigen Ausreißergruppe, die sich schon nach 61 km vom Feld gelöst hatte.

Nach insgesamt 227,5 km war der Fahrer aus dem französischen Credit Agricole-Team im Ziel der 16. Etappe in Sarran vier Tage vor Tour-Ende nicht mehr zu halten und machte damit den dritten deutschen Etappensieg bei der Tour 2001 perfekt. Zuvor hatte zwei Mal Erik Zabel (Unna) triumphiert.

Voigt ließ Bradley McGee aus Australien, mit dem er sich 20 km vor dem Ziel von der Ausreißergruppe abgesetzt hatte, mit einer klugen Schlussattacke keine Chance und gewann mit fünf Sekunden Vorsprung. «Ich hatte gemerkt, dass McGee müde ist. Aber seit dem Theater von Armstrong in L`Alpe d`Huez weiß man ja nie. Ich musste trotzdem vorsichtig sein, falls er auch schauspielert. Ich bin sehr glücklich, jetzt kann ich das ganze Leben sagen: Ich habe eine Tour-Etappe gewonnen», freute sich Voigt im Ziel diebisch. Im Gesamtklassement änderte sich an der Spitze zwischen Spitzenreiter Lance Armstrong (USA) und Verfolger Jan Ullrich (Merdingen) nichts. Das Feld mit den beiden Top-Pedaleuren hatte 25:46 Minuten Rückstand.

Nicht erst nach diesem erneuten Erfolg stehen die Interessenten vor Voigts Tür Schlange. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus. Für rund eine Million Jahresgage bietet auch Telekom mit. Die Bonner hatten am Mittwoch großes Pech. In einem Massensturz im Feld, in den auf der Abfahrt von der vorletzten Steigung etwa 20 Fahrer verwickelt waren, brach sich Jens Heppner (Gera) das rechte Schlüsselbein und musste aufgeben. Damit sind nur noch sieben Telekom-Fahrer im Rennen. Steffen Wesemann (Wolmirstedt) war in der Vorwoche ausgestiegen.

Die 88. Tour de France erlebte auf der 16. Etappe ihr zweites Pontarlier. Genau wie vor zehn Tagen auf der Regen-Etappe, die die Tour auf den Kopf gestellt hatte, entschied eine Ausreißergruppe mit großem Vorsprung das Rennen. Auf dem achten Tagesabschnitt in Pontarlier hatten die Favoriten 25 Fahrern im Ziel einen Vorsprung von 35:54 Minuten gestattet. Davon zehrt der im Augenblick noch immer drittplatzierte Andrej Kiwilew (Kasachstan) immer noch. Diesmal hatte Voigt schon 50 Meter vor dem Ziel die Arme zum Jubeln ausgebreitet.

Die Anstrengungen der Tour, die brütende Hitze und ein schwieriger Parcours über die zweitlängste Tour-Distanz dieses Jahres lähmten die Top-Fahrer. Änderungen im Gesamtklassement - Vorjahressieger Armstrong führt weiter mit 5:05 Minuten vor Ullrich - werden ohnehin erst wieder am Freitag beim 61 km langen Einzelzeitfahren von Montlucon erwartet. Auch die Reihenfolge in der Punktwertung blieb am Mittwoch gleich. Stuart O`Grady (Australien) verteidigte sein Grünes Trikot; Verfolger Zabel, der das begehrte Kleidungsstück in den vergangenen fünf Jahren bis Paris trug, lag im Ziel als Achter einen Platz vor dem Australier.

Die sieben Fahrer hatten nach 61 km angegriffen und sich vom Feld abgesetzt. Als ihr Vorsprung bei sengender Hitze auch 70 km vor dem Ziel noch nicht wesentlich unter 20 Minuten gefallen war, stand fest, dass es ein neues Pontarlier geben würde. Der zweifache Etappensieger Laurent Jalabert aus der Bjarne Riis-Mannschaft hatte seinen Traum vom möglichen dritten Tageserfolg ausgeträumt. Es hätte für den in seinem Heimatland hoch verehrten Franzosen im rot-weiß gepunkteten Bergtrikot ein ganz besondere Tag sein können, denn das Dorf Sarran in der Correze (225 Einwohner) hat herausragende Bedeutung.

300 m hinter der Ziellinie steht das nach dem Staatspräsidenten Jacques Chirac benannte Museum, das im Dezember eröffnet wurde. Die Tour rührte die Werbetrommel und Madame Bernadette Chirac schritt im militärischen Tarnanzug die Zielgerade entlang. Ein Bodyguard trug ihren weißen Pudel auf dem Arm hinterher. Der in Korruptions-Affären verstrickte Präsident konnte persönlich nicht kommen, «Staats- Geschäfte in Paris», entschuldigte ihn seine Frau am Mittwoch. Im Chirac-Museum sind auf 1200 Quadratmeter Geschenke ausgestellt, die der Präsident, seit 1995 im Amt, auf seinen Staatsbesuchen erhielt.

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