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05.08.2001 -
Karlsruhe (dpa) - Gefeiert von fast einer halben Million Radsportfans, aber geschlagen von den Nachwehen der Tour de France: Olympiasieger Jan Ullrich ging beim badischen Radsport-Wochenende leer aus. Beim internationalen Straßenrennen in Bühl belegte der Wahl-Merdinger nahe seines Wohnorts nur den vierten Rang.
Tags zuvor hatte der gebürtige Rostocker das Paar-Zeitfahren in Karlsruhe auf einem für ihn selbst enttäuschenden fünften Platz abgeschlossen. «Ich bin momentan einfach nicht spritzig genug. Gegen die schnellen Leute habe ich keine Chance», sagte Ullrich, dem die Strapazen der vor einer Woche zu Ende gegangenen Tour de France immer noch in den Beinen stecken.
Bei seinen ersten Auftritten auf deutschem Asphalt nach dem zweiten Rang in Frankreich präsentierte sich Ullrich seinen Fans zwar äußerlich locker und gelöst. Doch vor allem beim Straßenrennen um den 9. LuK-Cup fehlte Ullrich nach dem Ausdauer-Akt durch Frankreich die nötige Endgeschwindigkeit. In einem packenden Sprintfinale musste sich der deutsche Meister dem siegreichen Belgier Geert Verheyen (4:44:50 Stunden), dem Italiener Davide Rebellin und dem ehemaligen Weltmeister Oscar Camenzind aus der Schweiz geschlagen geben.
Ein Hauch von Hilflosigkeit hatte sich bei Ullrich bereits beim Paar-Zeitfahren in Karlsruhe eingestellt, dass das französische Duo Christophe Moreau/Florent Brard (1:25:21 Stunde) gewonnen hatte. «Ich komme einfach so lange wieder, bis ich gewinne», kündigte er eine ähnliche Geduldsprobe wie im Zweikampf mit Tour-Sieger Lance Armstrong an. Dabei war es sein Teamkollege und vermeintlicher Edel-Domestike mit Anspruch auf höhere Weihen, Andreas Klöden (Chemnitz), der vor 190 000 Zuschauern kräftemäßig eingebrochen war.
Dafür sprangen in Karlsruhe Jens Lehmann (Gera), 33 Jahre alter Mannschafts-Olympiasieger und Doppel-Weltmeister auf der Bahn, sowie der ein Jahr jüngere Thomas Liese (Leipzig), deutscher Meister im Einzelzeitfahren, in die Bresche. Die Pedaleure vom zweitklassigen Team Nürnberger belegten überraschend mit einem minimalen Rückstand von vier Sekunden den zweiten Platz.
Radstar Ullrich ließ dennoch mit braunem Teint, schlanker Figur und modischem Kinnbart so manches Fanherz höher schlagen. Um den Andrang der Anhänger nach Autogrammen nicht zur Tortur für den Tour-Sieger von 1997 werden zu lassen, mussten Ordnungskräfte einen Schutzring um ihn bilden.
Ob Ullrich bei den Weltmeisterschaften vom 11. bis 14. Oktober in Lissabon an den Start gehen wird, ist derzeit noch fraglich. Vor zwei Jahren hatte er bei den globalen Titelkämpfen im Einzelzeitfahren Gold geholt. Als nächstes will Ullrich beim Kriterium in Kassel in die Pedale treten, ehe er in Dortmund startet. Danach stehen die Weltcup-Rennen in Hamburg (19. August) und sieben Tage später in Zürich auf dem Programm ebenso wie Veranstaltungen in Hannover, Nürnberg und Italien. Eine Teilnahme bei der Spanien-Rundfahrt schließt Ullrich hingegen aus.
Ullrichs Teamkollege Erik Zabel (Unna) machte es am Samstag bei einem Rundstrecken-Rennen in Unna dagegen besser. Der sechsmalige Gewinner des Grünen Tour-Trikots nutzte seinen Heimvorteil vor rund 30 000 Fans und gewann das Rennen über 60 Runden a 1,15 km im Spurt vor dem Mecklenburger Jens Voigt (Credit Agricole) und Paolo Bettini (Italien/Mapei-Quick-Step).
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