Profi-Radsport

Telekom meldet sich zurück - Sieg für «Wino»

17.03.2002 -

Berlin/Nizza/Rieti (dpa) - Telekom hat sich rechtzeitig vor dem ersten Saison-Höhepunkt Mailand-San-Remo zurückgemeldet. Alexander Winokurow gewann als erster Kasache Paris-Nizza und schaffte damit den bemerkenswertesten Sieg seiner Karriere.

Auch Erik Zabel zeigte vor dem Weltcup-Start mit seinem ersten Saisonsieg wieder Biss. «Besser geht es im Moment kaum», lautete die Ferndiagnose von Teamchef Rudy Pevenage nach dem Winokurow-Triumph bei der Traditions-Fahrt, die im Gegensatz zu manchen anderen Etappen-Rennen zu Saisonbeginn als echter Gratmesser anerkannt wird.

Die 7. und letzte Etappe über 157 km rund um Nizza gewann der Australier Robbie McEwen. Winokurow, im Vorjahr Gewinner der Deutschland-Tour, riskierte im Schlussspurt nichts und sicherte sich das Gelbe Trikot mit 55 Sekunden Vorsprung vor dem französischen Newcomer Sandy Casar.

Die Erfolgsserie nach neun bitteren Wochen ohne Sieg lässt Pevenage zur Zeit aber keineswegs wie durch eine rosarote Brille blicken. Zum einen liegt ihm der verletzungsbedingte Ausfall Gian Matteo Fagninis für Mailand-San-Remo als Zabels Leibgarde für den möglichen Schlussspurt schwer im Magen. Außerdem quält den Belgier nach wie vor eine Ungewissheit in Bezug auf Jan Ullrich.

Den Olympiasieger plagen trotz Rundum-Betreuung durch die Uni-Klinik Freiburg, den persönlichen Trainer Peter Becker, die Team- Leiter und sogar einen Leibkoch weiter scheinbar banale Knie- Probleme. «Jan hat heute drei Stunden trainiert - ohne Beschwerden. Nächste Woche soll er sich mal wieder voll belasten. Vielleicht kann er am 9. April in Frankreich bei der Sarthe-Rundfahrt ins Renn- Geschehen einsteigen», hoffte der Teamchef.

Der bärenstarke Olympia-Zweite Winokurow stünde im Moment nur theoretisch als Alternative bereit. «Er ist nach Jan der einzige von uns, dem ich bei der Tour de France einen Platz unter den ersten fünf zutrauen würde», meinte Pevenage, der als Zuschauer bei Paris-Nizza bemerkenswerte Dinge registrierte. Der bei der Doping-Razzia des vergangenen Giro d`Italia mit Doping-Mitteln erwischte Dario Frigo hatte am Samstag die «Königsetappe» auf den Col d`Eze in großer Manier gewonnen. Der Italiener bestreitet nach neun Monaten Rennpause, darin sechs Monate Sperre, gerade sein erstes Rennen.

Im Moment beansprucht aber der Weltranglisten-Spitzenreiter Zabel Pevenages gesamte Aufmerksamkeit. Der «Sportler des Jahres» will Mailand-San-Remo zum fünften Mal gewinnen - auch ohne Fagnini. «Erik hat der Sieg hier auf der ersten Tirreno-Etappe sehr gut getan. Natürlich ist ein Schlussspurt ohne Fagnini ein Handicap, aber vielleicht kann Steffen Wesemann diese Lücke am Samstag füllen», macht sich Pevenage Gedanken um die Taktik zum Weltcup-Auftakt und verweist auf die vergangene Tour de France: «Da hat Erik ohne Fagnini drei Etappen gewonnen.»