Profi-Radsport

Deutsche U23-Fahrer ohne Medaille

12.10.2001 -

Lissabon (dpa) - Nach Gold für Jan Ullrich und Silber für Sebastian Lang standen die deutschen WM-Teilnehmer in Lissabon mit leeren Händen da. Im U23-Rennen über 169,4 km verfehlte Fabian Wegmann aus Münster als bester Deutscher eine Medaille auf Rang 12.

Auch von den Juniorinnen schaffte niemand den Sprung aufs Treppchen. Den Titel beim männlichen Nachwuchs holte Jaroslaw Popowitsch, der im Vorjahr Vize-Weltmeister war. Damit löste der Ukrainer, der das Ziel als Solist erreichte, das Ticket für eine Profi-Karriere.

Der neue Weltmeister hatte sich drei Runden vor Schluss zusammen mit dem Italiener Giampaolo Caruso vom Feld abgesetzt. In der letzten von 14 Runden hatte Popowitsch ihn stehen lassen und 17 Sekunden Vorsprung ins Ziel gerettet. Bronze ging an Popowitschs Landsmann Ruslan Gryschenko (1:32 Minuten zurück). Zum ersten Mal seit WM- Beginn waren die Steigungen der 12,1 km-Runde von einer nennenswerten Menge von Zuschauern gesäumt. Das Verhältnis der Portugiesen zum Radsport ist nach dem Karriereende Acacio da Silvas in den 90er Jahren eher gespalten.

Das Konzept von Bundestrainer Peter Weibel, der den Erfurter Lang mit zum Vize-Weltmeister im Zeitfahren gemacht hatte, ging diesmal nicht auf. Schon früh verlor der deutsche U23-Kader mit dem entkräfteten Eric Baumann (Gera) und dem gestürzten Stefan Schumacher (Nürtingen) zwei Fahrer. Wegmann, im nächsten Jahr Profi beim dritten deutschen GSI-Team Gerolsteiner, hatte alles versucht. «Das war ein knallhartes Ausscheidungsrennen. Die Russen und Ukrainer fahren das ganze Jahr zusammen. Dadurch bildeten sie quasi eine große WM-Mannschaft, gegen die wir nicht ankamen», sagte Weibel.

Die englische Juniorin Nicole Cooke hatte am Vormittag ihren zweiten Titel geholt. Nach Gold im Zeitfahren war sie auch im Straßenrennen über 72,6 km nicht zu bezwingen. Nicole Cooke siegte im Alleingang mit 17 Sekunden Vorsprung vor der Niederländerin Pleuni Mohlmann und der Polin Maja Wloszczowska (29 Sekunden zurück). Die deutsche Meisterin Charlotte Becker (Waltrop) erreichte den sechsten Rang mit 12:46 Minuten Rückstand. Katrin Beilharz aus Biberach überstand einen Sturz mit leichteren Verletzungen.

In Lissabon trafen die restlichen zehn deutschen Elite-Fahrer ein, angeführt vom Weltranglisten-Ersten Erik Zabel (Unna). Trotz des Verkehrschaos in Lissabon und eines von der Polizei abgeschleppten Begleitfahrzeugs stand sofort Training auf dem Programm. Am Sonntag gehen 12 deutsche Fahrer an den Start über 254 km. Kapitän und Topfavorit ist der frisch gekürte Zeitfahr- Weltmeister Jan Ullrich (Merdingen).

Weltmeisterin Zinaida Stahurskaja kann ihren Titel in Lissabon nicht verteidigen. Die Weißrussin reiste aus der portugiesischen Hauptstadt ab, nachdem bekannt geworden war, dass sie bei einer Doping-Kontrolle beim Giro d`Italia positiv getestet worden war. Die spätere Giro-Gewinnerin war auf der 12. Etappe mit verbotenen Substanzen aufgefallen. Die 30-jährige Stahurskaja lebt in der Toskana und fährt für das italienische Profi-Team Gas. Eine Blutkontrolle bei 37 Fahrern und Fahrerinnen ergab am Freitag in Lissabon keine Unregelmäßigkeiten.