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12.10.2000 -
Plouay (dpa) - Michael Rich wurde bei seiner Sensationsfahrt erst auf den letzten Metern abgefangen - Nachfolger von Jan Ullrich auf dem Weltmeister-Thron im Einzelzeitfahren wurde Sergej Gontschar. Der 30-jährige Ukrainer entriss am Donnertag bei einer denkbar knappen WM-Entscheidung in Plouay dem ein Jahr älteren Waldkirchener Rich den schon fast sicheren Sieg.
Bis knapp zwei Kilometer vor dem Ziel hatte der deutsche Meister aus dem Team Gerolsteiner die Führung inne, erst am letzten Anstieg verlor er zehn Sekunden auf den Ukrainer und erkämpfte in der letzten Zeitfahr-Entscheidung die erste Medaille für das bis dahin enttäuschende deutsche Team. Mehr als 100 000 Zuschauer an der 47,6 km langen Strecke zwischen Rostrenen und Plouay in der Bretagne feierten einen packenden Dreikampf, denn der drittplatzierte Laszlo Bodrogi (Ungarn) lag am Ende nur 14 Sekunden hinter Rich.
Diese drei hatten auf einem schweren WM-Kurs, der zudem durch Regenwetter noch härter wurde, immer wieder für die Bestmarken bei den Zwischenzeiten gesorgt. Von der Halbzeit des Rennens an lag Rich immer in Führung. Gontschar kam erst auf den buchstäblichen letzten Metern wieder ins Geschäft, als er auf letzten neun Kilometern aus einem Acht-Sekunden-Rückstand noch zehn Sekunden Vorsprung machte. Titelfavorit Abraham Olano (Spanien) spielte nie eine Rolle und musste sich am Ende mit Rang fünf Begnügen. Der zweite Deutsche, Jens Voigt (Berlin), kam auf Rang sieben.
Titelverteidiger Ullrich, der sich beim Weltcuprennen am letzten Sonntag in Tours bei einem Sturz an der Lippe verletzt hatte und operiert werden musste, konnte die Entscheidung um seine Nachfolge nur am Fernseher verfolgen. Er erlebte ein packendes Rennen, bei dem die meisten Stars allerdings fehlten. Neben Ullrich waren unter anderem Olympiasieger Wjatwscheslaw Jekimow (Russland) und der Dritte von Sydney, Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong (USA), nicht dabei. Weitere Spitzenfahrer sagten wegen Formschwäche, Verletzungen oder mangelndem Antrieb nach einer langen Saison ab. Kurzfristig musste auch Laurent Jalabert aus Frankreich, als großer Herausforderer von Abraham Olano gehandelt und als vorletzter Fahrer auf der Startliste, verzichten. Der 31-Jährige hatte Magenprobleme.
«Die Strecke war nicht leicht», urteilte Rich. «Und mit ihren langen Anstiegen war sie mir nicht gerade auf den Leib geschrieben worden. Außerdem arbeitet meine Muskulatur bei Wärme optimaler. Aber so ein Ergebnis habe ich höchstens erträumt.» Rich, der nicht bei Olympia war, hatte sich knapp zwei Wochen auf das Meisterschafts-Rennen vorbereiten können. «Allerdings konnte ich nur zwei Mal hinter einem Motorrad spezielle Zeitfahr-Vorbereitung betreiben.»
Olympia-Starter Jens Voigt musste als Zweiter dagegen «aus dem Kalten» seinen WM-Start bestreiten. Nach den Spielen in Sydney war er erst einmal beim Weltcuprennen Paris - Tours am letzten Sonntag im Einsatz für sein Team Credit Agricole. «Als ich von Gruppe zu Gruppe durchgereicht wurde, bin ich ausgestiegen». Unmittelbar darauf reiste er in Plouay an.
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