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28.05.2002 - Conegliano/Berlin (dpa) - Ein Mountainbiker ist die Entdeckung des 85. Giro d`Italia. Cadel Evans ist bei der ersten Drei-Wochen-Tour seines Lebens in Tuchfühlung mit dem Rosa Trikot.
«Ich hatte nie verstanden, warum er im Vorjahr auf die Straße wechselte - Jetzt weiß ich es», sagte Telekom-Teamarzt Lothar Heinrich, Hobby-Mountainbiker und Fan des 25-jährigen Australiers, der über Saeco («die wollten mich nicht mehr») 2002 zur italienischen Konkurrenz Mapei wechselte.
So weit wie der Mountainbike-Weltcupsieger von 1998 und 1999, der sich auf der Straße als starker Berg- und Zeitfahrer entpuppte, ist der jüngste Giro-Teilnehmer noch nicht. Aber der 22-jährige Torsten Hiekmann testet sein Potenzial mit Erfolg. Bei der ersten Bergankunft des Giro fuhr der Berliner, 1997 Junioren-Weltmeister im Einzelzeitfahren, lange in der Spitzengruppe.
«Er macht seine Sache gut. Er soll hier Erfahrungen sammeln wie im Vorjahr Matthias Kessler», lobte Telekom-Teamchef Rudy Pevenage seinen Youngster, der sich die Butter nicht vom Brot nehmen lässt. Beim Interview zum Giro-Start rückte er erstmal ein Missverständnis gerade: «Der Jan Ullrich-Trainer Peter Becker hat mich öffentlich kritisiert, falsch zu trainieren. Erstens hat der von mir noch nie Trainings-Unterlagen gesehen, zweitens bereitet mich seit Jahren Uwe Freese vor, drittens spricht meine Entwicklung nicht unbedingt für seine These.»
Während Hiekmanns vorerst großes Ziel heißt: «Durchhalten bis Mailand», will Evans mehr. Frei von der Verantwortung für Stefano Garzelli zu schuften, kann der nur 64 kg schwere Australier nach der Disqualifikation seines Kapitäns jetzt auf eigene Rechnung fahren. Bei seinem Giro-Debüt scheint für den Gewinner der Österreich- und Tasmanien-Rundfahrt 2001 sogar ein Podiumsplatz am 2. Juni in Mailand drin zu sein, zumal ihm das Fahren im großen Feld («Zuerst meine größte Schwierigkeit») inzwischen fast schon in Fleisch und Blut übergegangen ist.
Nach dem Giro freut sich Evans auf versprochene vier Wochen Pause. Die schien er schon nach den ersten fünf Tagen herbeigesehnt zu haben. So müde, wie er da nach den Etappen wirkte, ist es fast ein Wunder, wie es bei dem «gelernten» Mountainbiker jetzt läuft. Im August hat er große Pläne: «Die Commonwealth-Spiele in Manchester sind sehr wichtig für mich», sagte Evans, der mit 20 Jahren von Melbourne in die Schweiz nach Neuchâtel zog. Die Tour de France ist ein Fernziel: «Als ich Miguel Indurain 1991 dort sah, habe ich mir gesagt: Da will ich auch hin.»
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