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29.05.2002 -
Corvara (dpa) - Jens Heppners Höhenflug im Rosa Trikot ist beendet. Elf Tage nachdem der 37-jährige Thüringer in Varazze die Spitzenposition beim 85. Giro d`Italia erobert hatte, musste der Routinier auf der ersten der beiden schweren Dolomiten- Etappen Platz machen.
Neuer Mann in Rosa ist Cadel Evans, der vor zwei Jahren noch Mountainbike-Rennen fuhr und bis zu dessen Disqualifikation als Helfer für den gedopten Stefano Garzelli zuständig war.
Dem 25-jährigen Australier reichte auf der 16. Etappe über 163 Kilometer von Conegliano nach Corvara Rang sieben, um Heppner abzulösen. Der Thüringer verlor rund sechs Minuten auf Evans. Die Königsetappe über vier Dolomiten-Pässe, auf der der Mexikaner Julio Perez-Guapio seinen zweiten Etappensieg feierte, war neben dem Trikotwechsel vor allem geprägt von der vorangegangenen Disqualifikation des Mitfavoriten Francesco Casagrande und der Aufgabe Marco Pantanis (beide Italien).
«Ein Traum ist zu Ende», sagte Heppner, der als erfolgreichster deutscher Profi in die Geschichte des 93 Jahre alten Giro d`Italia eingehen wird. Vor ihm trugen nur zwei deutsche Profis Rosa: 1932 der Berliner Hermann Buse für fünf Tage und 1981 Gregor Braun für einen Tag.
Der in Belgien lebende Thüringer, der immer noch um einen neuen Vertrag für die kommende Saison bei Telekom kämpft, war bei der Verteidigung seiner Führung seit der sechsten Etappe über sich hinausgewachsen. Aber schon vor dem Start der 16. Etappe mit dem höchsten Punkt des Giro auf dem 2239 Meter hohen Pordoi-Pass hatte Heppner seinen sportlichen Untergang beim Giro prophezeit.
30 km vor dem Ziel hatte Heppner bei strahlendem Sonnenschein die ersten Schwierigkeiten bekommen. Lange konnte ihn noch sein Team-Kollege Matthias Kessler (Nürnberg) begleiten. Doch als die Post richtig abging, war es um den Telekom-Veteran geschehen. Guapio feierte nach der 13. Etappe seinen zweiten Tagessieg im Alleingang, Evans sicherte sich im Rücken des Mexikaners an der Seite Dario Frigos (Italien) und Tyler Hamiltons (USA) das Rosa Trikot.
Nach der 15. Etappe war Casagrande disqualifiziert worden, weil er John-Fredy Garcia irregulär bedrängt hatte. Der Kolumbianische Meister stürzte schwer und konnte den Giro nicht fortsetzen. Aus Verärgerung über die Jury-Entscheidung kündigte Casagrande am Mittwoch sein Karriereende zum Saisonende an.
Das gleiche könnte dem seit drei Jahren von der italienischen Justiz wegen verschiedener Doping-Delikte verfolgten Marco Pantani bevorstehen. Der Giro- und Toursieger von 1998 war schon an der ersten Steigung zurückgefallen und stieg, seit Tagen von einer Bronchitis geplagt, vom Rad.
Die 17. Etappe führt über 222 Km von Corvara nach Folgaria. Dabei sind fünf Pässe zu bewältigen.
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