Profi-Radsport

Telekom-Tour-Team zur Generalprobe

17.06.2002 - Berlin/Luzern (dpa) - Der Countdown läuft. Das neunköpfige Telekom-Aufgebot für die in knapp drei Wochen beginnende Tour de France tritt, geteilt in zwei Mannschaften, zur Generalprobe bei der Tour de Suisse und Katalonien-Rundfahrt in Spanien an.

Die 1451 km durch die Schweiz, verteilt auf neun Etappen zwischen Luzern und Biel, sind besonders für den Weltranglisten-Spitzenreiter Erik Zabel (Unna) mehr als nur die Warmlauf-Phase für Frankreich. «Erik will immer gewinnen, wenn er am Start ist, zumal er seine Position in der Weltrangliste verteidigen will», sagte Team-Manager Walter Godefroot.

Vier Etappen könnten auf die Bedürfnisse des gebürtigen Berliners, der schon bei der Deutschland-Tour mit vier Tagesssiegen Top-Form nachwies, zugeschnitten sein. Allerdings verspricht die Konkurrenz bei der Tour de Suisse, die am Dienstag mit einem 5,7 km langen Prolog in Luzern beginnt, so kurz vor der Tour mit härteren Bandagen als zuletzt in Deutschland bei den Massensprints zur Sache zu gehen. Tom Steels (Belgien), Jaan Kirsipuu (Estland), Ivan Quaranta, Giovanni Lombardi (beide Italien), Jimmy Caspar (Frankreich) und Olaf Pollack (Cottbus) sind nur einige der potenziellen Zabel-Gegner.

Im Kampf um den Gesamtsieg, den der dreifache Tour-Sieger Lance Armstrong (USA) nicht verteidigt, weil er sich in Frankreich vorbereitet, kommen deutsche Profis weniger in Frage. Giro-Gewinner Paolo Savoldelli (Italien), sein vom vergangenen Skandal-Giro nach einem Faustschlag gegen einen Konkurrenten suspendierter Landsmann Francesco Casagrande (Sieger in der Schweiz 2000) oder Coast-Kapitän Alex Zülle (Schweiz) spekulieren auf das Gold-Trikot. Ohne Tour- Einladung wäre der erste Sieg bei der nationalen Rundfahrt für den 34-jährigen Zülle, der bei der Deutschland-Tour gute Form zeigte, so etwas wie der Saison-Höhepunkt.

Anders als vom Giro d`Italia oder von der Frankreich-Rundfahrt sind von der Tour de Suisse kaum Impulse bei der Doping-Bekämpfung zu erwarten, obwohl am 1. Januar dieses Jahres das Bundesgesetz zur «Förderung von Turnen und Sport» angepasst und um Passagen zur Doping-Bekämpfung erweitert wurde. Aber trotz der gesetzlichen Androhung von Gefängnis und Geldstrafen von bis zu 60000 Euro für «Einführung, Vermittlung, Vertreibung oder Verschreibung» von Doping- Mitteln, scheinen konsequente Maßnahmen der Justiz gegen das Übel wie in den genannten Schweizer Nachbarländern während der kommenden zehn Tage kaum wahrscheinlich.