Profi-Radsport

Freire Etappensieger in Saarbrücken - Zabel Dritter

08.07.2002 -

Saarbrücken (dpa) - Doppel-Weltmeister Oscar Freire hat Erik Zabel den sicher geglaubten Etappensieg in Saarbrücken weggeschnappt und die Eroberung des Gelbe Trikots durch den Deutschen verhindert.

Einen Tag nach seinem zweiten Platz von Luxemburg und seinem 32. Geburtstag war Zabel im Ziel der 2. Etappe der 89. Tour de France nach 181 km in der Saarländischen Landeshauptstadt als Drittplatzierter hinter Freire und dem Australier Robbie McEwen der unglücklichste Mensch im gesamten Peloton. Der spanische Etappensieger wollte eigentlich gar nicht zur Tour kommen, weil er sich nicht in der geeigneten Form fühlte.

Rang zwei hätte am Montag für Zabel zum Sprung an die Spitze des Gesamtklassements gereicht. Schon 1998 hatte er für einen Tag das Feld angeführt. Doch der Schweizer Rubens Bertogliati verteidigte sein Gelbes Trikot mit zwei Sekunden vor Zabel, der auf dem Weg von Metz nach Reims wieder angreifen wird, um mit einem Erfolg auch die negativen Schlagzeilen der letzten Tage im Zusammenhang um den Fall Ullrich etwas in den Hintergrund zu drängen. Auch für einen anderen Deutschen war es kein glücklicher Tag: Vor Zabel war schon Jens Voigt (Berlin) zehn Kilometer vor dem Ziel mit einem Ausreißversuch als Solist gescheitert.

«Es ist nun mal so im Leben, dass nicht immer Wünsche in Erfüllung gehen. Freire und McEwen waren heute eben schneller. Das war eine sehr schwere und nervöse Etappe, auch wegen der Zuschauermassen», sagte Zabel. «Das Feld ist im Finale wie eine Büffelherde nach Saarbrücken gestürmt. Vielleicht wäre es besser gewesen, wir hätten Voigt die Etappe gewinnen lassen, und ich wäre als Zweiter ins Gelbe Trikot gefahren.» Team-Sprecher und Ex-Profi Olaf Ludwig machte seiner Mannschaft, die den Massensprint vorbildlich vorbereitet hatte, keine Vorwürfe: «Erik hat mit Danilo Hondo und Gian Matteo Fagnini als Spurt-Vorbereiter schon viele Siege herausgefahren. Heute hat es eben nicht geklappt. Wir versuchen es weiter».

Der strahlende Hochsommertag hätte so ganz nach dem Wunsch des gebürtigen Berliners mit Wohnsitz Unna verlaufen sollen. Weit über 500 000 Zuschauer auf den 128 km durch das Saarland bis in die Landeshauptstadt bildeten das Auditorium. Im Ziel blieb ihnen fast die Luft weg. Zabels Team-Kollegen hatten im Vorfeld auf den letzten 40 km hart gearbeitet. Im Finale schien alles nach Wunsch zu laufen. Doch im entscheidenden Moment waren Freire und der McEwen schneller.

Jetzt wartet die nächste Chance auf den ersten diesjährigen Etappensieg des Spitzenreiters der Weltrangliste. Die 174 km von Metz in die Champagner-Stadt Reims scheinen auf Zabel zugeschnitten, aber das war auch der Abschnitt nach Saarbrücken.

Der Sprint wurde vorbildlich von Zabels Team-Kollegen vorbereitet. Wie auf dem Reißbrett konzipiert verliefen die letzten Kilometer durch das jubelnde Spalier der Menschen. Der deutsche Meister und Tour-Debütant Hondo (Cottbus) und der Italiener Fagnini waren die Letzten, die Zabel Windschatten gaben. Etwa 300 Meter vor dem Ziel schoss er nach vorne, außen waren aber Freire und McEwen schneller. In einer ersten Reaktion vor den Mikrofonen des französischen Fernsehens war Zabel Herr über seinen Zorn: «Es ist doch auch schön, in seiner Heimat das Grüne Trikot zu tragen und zu verteidigen».

Lange hatten die drei Ausreißer Sylvain Chavanel (Frankreich), Thor Hushovd (Norwegen) und Stephane Berges (Frankreich), die sich schon 20 km abgesetzt hatten, das Rennen bestimmt. Hushovd fiel im Finale zurück. Er litt an Krämpfen und musste sich übergeben - bei großer Hitze hatte er sich wahrscheinlich zu viel zugemutet.

28 km vor dem Ziel gesellte sich Voigt zu den an der Spitze verbliebenen Berges und Chavanel. Aber das Telekom-Team war an der Spitze des Hauptfeldes auf der Hut, machte mächtig Dampf und stellte Vogt, der sich 24 Km vor dem Ziel von seinen Begleitern getrennt hatte, zehn Kilometer vor dem Ziel. Danach rissen sich Zabels Fahrer die Beine aus, um jede Attacke zu kontern. Am Ende war die Arbeit umsonst.