Profi-Radsport

Mont Ventoux: Mahnmal in der Provence

19.07.2002 -

Lannemezan (dpa) - Der Mont Ventoux in der Provence ist das größte Mahnmal der Tour de France. Am 13. Juli 1967 starb hier Weltmeister Tom Simpson beim Anstieg zwei Kilometer vor dem kahlen, weißen Gipfel aus Geröll. Ein Cocktail aus Alkohol und Amphetaminen hatten sein Schicksal auf der 13. Etappe unter sengender Sonne besiegelt.

Nur weil der Tour-Arzt damals eine schnelle Beerdigung des Engländers verhinderte und auf einer Autopsie bestand, kam die wahre Todesursache ans Licht. Am Sonntag ist der unheimliche Berg, auf dem im Winter nicht selten Temperaturen unter 30 Grad minus und im Sommer leicht 40 Grad plus herrschen, zum 13. Mal Ziel einer Tour-Etappe.

«Er mag mich nicht, und ich mag ihn nicht», sagte Lance Armstrong einmal über den Mont Ventoux. Die letzte Besteigung des 1909 m hohen Kegels während der Tour hat der Seriensieger aus Texas nicht in bester Erinnerung. Am 13. Juli 2000 schenkte er dem Italiener Marco Pantani den Etappensieg und handelte sich dafür Vorwürfe der Arroganz ein. Seitdem sind beide nicht das, was man beste Freunde nennt. Erster Tour-Etappensieger auf dem einer Mondlandschaft gleichenden Gipfel war 1951 Lucien Lazarides.

Nicht selten peitschen Mistral-Winde mit bis zu 250 km/h um die Bergspitze des Unesco-Biosphären-Reservats. Der 21,1 km lange Anstieg - maximale Steigung: 14 Prozent - verspricht den Fahrern auch am Sonntag wieder Höllenqualen. Der Mont Ventoux bildet die dritte Bergankunft der diesjährigen Tour - zwei weitere in den Alpen in Les Deux Alpes und La Plagne folgen. Vier Mal hat Armstrong den Ventoux bisher erklommen, zuletzt vor knapp fünf Wochen beim Dauphiné Liberée. Noch nie hat er dort oben gewonnen.

Am Mont Ventoux zerbrach die Karriere des Schweizer Tour-Siegers Ferdi Kübler, und selbst Eddy Merckx kam nicht ungeschoren über den ungeliebten Anstieg. «Anders als bei anderen Steigungen kannst du nie den Druck von der Pedale nehmen. Es gibt keine Sekunde zum Erholen. Wenn du aus dem Wald kommst, weht auf den letzten Kilometern meist ein unangenehmer Wind. Mein Lieblingsberg ist das auf jeden Fall nicht», sagte Rolf Aldag, der sich seit einem Sturz in Avranches mit einem doppelten Rippenbruch durch die Tour quält und den Ventoux am Sonntag zum dritten Mal in Angriff nehmen wird.

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