Ullrich auch ohne Meerblick zufrieden

19.01.2003  | 

Gandia (dpa) - Jan Ullrich verzichtete auf ein Zimmer mit Meerblick, um etwas ruhiger schlafen zu können. Das Hotel «Bayren I», Quartier des Coast-Teams beim ersten Saison-Trainingslager, liegt in wenig schmeichelhafter Umgebung im spanischen Küstenort Gandia, 70 Kilometer südlich von Valencia.

Im leeren Swimmingpool vor dem Haus stehen Baufahrzeuge, die jeden Morgen sehr früh in Betrieb genommen werden. Der 29-jährige Olympiasieger, seit Juli nicht mehr in Telekom-Obhut und jetzt Millionen schwerer Neueinkauf der Essener Profi-Mannschaft mit dem Ruhrpott-Charme, musste sich an seinen ersten Arbeitstagen umgewöhnen.

Ullrichs in grellen Fraben lackiertes Dienstfahrzeug der italienischen Firma Bianchi, speziell nach den Maßen des neuen Coast-Stars gefertigt, war gerade noch rechtzeitig zur Stelle. Nach seiner Ankunft fuhr er bei frühlingshaften Temperaturen 90 Minuten mit dem zweiten Coast-Neuling Tobias Steinhauser. Am Samstag steigerte Ullrich sein Programm leicht auf drei Stunden und fuhr in einer größeren Gruppe, verfolgt von mehreren Kamera-Teams. Sogar Teamsprecher Marcel Wüst konnte problemlos folgen. «Alles easy. Ich wurde sehr gut aufgenommen, die Stimmung ist super», fasste Ullrich seine ersten Eindrücke am neuen Arbeitsplatz kurz zusammen.

Sein alter und neuer Teamchef Rudy Pevenage wertete das ungewohnte Ambiente sogar als gutes Omen: «Als wir 1997 in El Arenal in einem ähnlichen Hotel waren, haben wir anschließend die Tour gewonnen.» Der Standort der Konkurrenz aus Bonn hat sich allerdings inzwischen geändert. Zwar trainiert das Telekom-Team weiterhin auf Mallorca, seit einiger Zeit aber schon im Fünf-Sterne-Hotel mit Golfplatz-Anbindung. In einem Interview mit «Bild am Sonntag» erkannte Ullrich («Irgendwann wünsche ich mir ein Baby mit meiner Freundin») im Rückblick: «Ich war in einer Art Dornröschen-Schlaf. Bei Telekom wurde einem alles vorgesetzt, andere trafen alle Entscheidungen. Man wurde als Mensch zu sehr bevormundet.»

Coast-Routinier Alex Zülle (Schweiz) empfing den prominenten Neuling am Wochenende mit offenen Armen: «Ullrich ist gut für mich und für das Team. Bisher hatte ich wenig Kontakt zu ihm persönlich. Früher war er immer vorne, ich meist hinten im Feld. Egal, ob ich Tour de France oder Vuelta fahre: Ich bin für ihn da, wenn er mich braucht.» Der bisherige Kapitän Luis Casero, 2001 Gewinner der Spanien-Rundfahrt, gab sich nach erster Kontaktaufnahme etwas reservierter. «Ich fahre sowohl die Tour als auch die Vuelta. Für jeden kommt seine Zeit», sagte der Spanier, womit er je nach Wettkampflage und Team-Interessen Hilfe von Ullrich einforderte als auch eigene in Aussicht stellte.

«Mein Ziel bei der Tour in diesem Jahr ist ein Etappensieg, im Jahr darauf will ich Armstrong wieder angreifen», sagte Ullrich, der laut «Bild am Sonntag» nach zwei Knie-Operationen und langer Wettkampf-Pause 2002 «ab Februar wieder wie ein Profi» trainieren will. Im Moment regiert noch die Zurückhaltung. Im November sei die Oberschenkel-Muskulatur seines rechten operierten Beins noch um etwa ein Drittel reduziert gewesen. Der Aufbau der Sehnen und die Gewöhnung an größere Belastungen gehe sehr langsam von statten. «Am 28. Januar nach der Rückkehr aus Spanien machen wir einen ersten Leistungstest», kündigte Pevenage an.

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