Profi-Radsport

Pevenage: «Warten noch bis Monatsende»

18.03.2003 -

Essen (dpa) - Rudy Pevenage, Betreuer von Rad-Olympiasieger Jan Ullrich, hat sich und seinem Schützling eine Frist «bis zum Monatsende» gesetzt.

«Wenn Coast dann die Lizenz von der UCI nicht zurück hat, müssen wir uns anders orientieren. Jan will schließlich ab 8. April wieder fahren. Wir haben mehrere Angebote anderer Rennställe, bis jetzt aber noch nicht konkret verhandelt», sagte der Belgier. Interesse soll laut «Eurosport» auch die neue Richard Virenque-Mannschaft Quick Step bekundet haben.

Dem ehemaligen Telekom-Teamchef Pevenage, der den Bonnern zusammen mit Ullrich im Januar den Rücken gekehrt und beim nationalen Konkurrenten Coast unterschrieben hatte, war bei einem Besuch im Firmensitz Essen versichert worden, dass die Aufhebung der Sperre unmittelbar bevorstehe. Dazu sagte der maßgebliche Vertreter des internationalen Radsport-Verbandes, Alain Rumpf: «In Sachen Coast gibt es nach wie vor nichts Neues. Die Angelegenheit liegt jetzt auf der Ebene unserer Rechtsanwälte und der von Coast. Ich kann nicht sagen, wann und welche Entscheidung fällt.»

Der Weltverband hatte das Essener GS I-Team des Textilhändlers Günther Dahms am 6. März gesperrt, weil angeblich Zahlungen an die Fahrer nicht vollständig oder nicht rechtzeitig geleistet worden seien. Dahms hatte erklärt, dass die fraglichen Zahlungen vollzogen und belegt seien, so dass die weitere Aufrechterhaltung des Fahrverbots einem Berufsverbot für die 25 Profis gleichkomme.

Coast will den Weltverband nun auf Schadensersatz verklagen. «Das tun wir mit absoluter Sicherheit, denn uns und den Fahrern ist erheblicher Schaden entstanden. Die UCI spielt mit uns jetzt jeden Tag ein neues Spielchen, und das völlig zu Unrecht», sagte Coast-Chef Dahms der «Süddeutschen Zeitung». Mehrere Profis bereiteten zudem parallel «eine gemeinsame Klage auf Schadensersatz gegen die UCI» vor.

Die von Coast beauftragte Anwalts-Kanzlei Osborne und Clarke in Köln teilte zu den Differenzen mit dem Verband mit: «Coast hat den Fahrern alles bezahlt, was ihnen von Rechts wegen zusteht. Das Problem ist, dass die UCI auf Betreiben einiger ausländischer Fahrer weitere Zahlungen beansprucht. Diese stehen den Fahrern nicht zu, da diese Beträge in Deutschland abzuführende Steuern betreffen. Coast ist bemüht, das rechtliche Informationsdefizit seitens des Weltverbandes zeitnah zu beseitigen.»

Nach seinem Abstecher nach Essen fuhr Pevenage zurück in die Toskana, wo Ullrich seit fast drei Wochen für sein Comeback trainiert. Der 29-jährige Olympiasieger, der eine für Donnerstag geplante Pressekonferenz bei Coast-Sponsor Bianchi in Treviglio/Italien absagte, will wahrscheinlich Ende der Woche zurückkehren. Am 8. April bei der Sarthe-Rundfahrt in Frankreich will Ullrich seinen Einstand nach 14-monatiger Rennpause geben - eventuell nicht im Coast-Dress.

«Wir haben bereits ein Budget für diese Operation zur Verfügung», sagte Quick-Step-Sprecher Alessandro Tegner laut «Eurosport» zum möglichen Transfer Ullrichs in Pevenages Heimatland Belgien. Auch Ullrichs Manager Wolfgang Strohband hat sich für einen möglichen Abschied von Coast nach eigener Aussage einen Zeitrahmen gesetzt: «Aber ich nenne keine Daten.»