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16.04.2003 -
Celler/Berlin (dpa) - Jan Ullrich konnte erst dreieinhalb Stunden vor dem Start der 40. Aragon-Rundfahrt in Huesca aufatmen. Dann gab der Internationale Radsport-Verband UCI durch seinen Sprecher Enrico Carpani Grünes Licht für einen Start des 29-jährigen Olympiasiegers - allerdings wieder unter Vorbehalt.
Diesmal haben die Einschränkungen aber nur formell aufschiebenden Charakter, so dass Ullrich am Morgen erleichtert einen Strich unter die chaotischen letzten 14 Tage ziehen konnte: «Endlich ist Ruhe eingekehrt und ich kann mich auf das Sportliche konzentrieren.» Ein möglicher Team-Wechsel ist für den Coast-Profi jetzt vom Tisch.
Die 1. Etappe beendete er am Abend nach 152 km bei der Bergankunft im 1520 Meter hoch gelegenen Celler mit knapp anderthalb Minuten Rückstand auf den Tagessieger Leonardo Piepoli (Italien). «Ich bin mehr als zufrieden. So ein knapper Rückstand bei der ersten Bergankunft nach der langen Pause stimmt mich für die nächsten Aufgaben zuversichtlich», sagte Ullrich. «Bei der Sarthe-Rundfahrt ging es mir gut, jetzt kommt eine Steigerung. Für mich zählt aber nach wie vor der Aufbau und dazu brauche ich Rennen, in die ich ohne Druck gehen kann», erklärte der Olympiasieger.
Carpani bestätigte den Eingang der längst fälligen Bankbürgschaft über drei Monatsgehälter für Ullrich im Wert von rund 500 000 Euro. «Das vom neuen Co-Sponsor Bianchi versprochene Fax zur Bestätigung erreichte uns gestern Abend später als erwartet, so dass wir nicht mehr reagieren konnten. Wir warten jetzt noch auf das Original, das per Post unterwegs ist. Wenn es eintrifft, ist Ullrichs Start-Berechtigung für die gesamte Saison perfekt», sagte der UCI-Sprecher. Er ließ kaum einen Zweifel daran, dass damit das Schmierentheater der letzten Wochen, an dem wohl der umstrittene Coast-Chef Günther Dahms die Hauptschuld trug, beendet sei.
Der Essener Textil-Unternehmer, der sich bei Ullrichs Unterschrift im Januar finanziell - ohne Co-Sponsor im Rücken - übernommen hatte, war zum «Krisengipfel» an den UCI-Sitz nach Aigle/Schweiz gefahren. In einem Gespräch mit UCI-Chef Hein Verbruggen und den neuen Geldgebern der italienischen Fahrrad-Schmiede Bianchi wurden die Weichen gestellt. Die Italiener, von Ullrich-Betreuer Rudy Pevenage akquiriert, werden ihr bisheriges finanzielles Engagement erheblich erweitern und wollen dem Vernehmen nach mit mehreren Millionen Euro einsteigen. «In Zukunft heißt das Team Bianchi-Coast», sagte ein Coast-Sprecher.
Auch der zweite Saisonstart Ullrichs nach 14-monatiger Zwangspause mit zwei Knie-Operationen, Führerschein-Entzug und Doping-Sperre wurde zur Zitterpartie. Wie vor dem ersten Comeback-Rennen (Sarthe- Rundfahrt) lief Pevenage bis in den späten Abend aufgeregt durch die Hotel-Lobby. Am Morgen kam dann das erlösende Signal für den Tour- Sieger von 1997. Auch Pevenage war voll des Lobes über die Ullrich-Leistung: «Ich habe Jan in den letzten vier, fünf Jahren zu diesem Zeitpunkt noch nie so stark gesehen», staunte der Belgier.
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