Zitat der Woche:
"Wir werden noch weiter um den Fortbestand des Teams kämpfen."
(Hans-Michael Holzcer, der noch keinen neuen Sponsor für sein Team gefunden hat)
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22.07.2003 - Pau (dpa) - Jan Ullrich nutzte den zweiten Ruhetag der Tour de France in Pau zur Kampfansage an Lance Armstrong. «Lance muss die Tour gewinnen, ich kann sie noch gewinnen. Im Moment ist alles möglich - ich bin extrem heiß geworden auf den Gesamtsieg.»
«So nah dran war ich seit 1997 nicht mehr», sagte der «Tabellenzweite» der laufenden Tour, der zugab, auf der Etappe nach dem Team-Zeitfahren wegen seiner Magen- und Darmprobleme vor der Aufgabe gestanden zu haben. «Ich hatte noch Fieber, mir war schwindelig und ich bin fast vom Weg abgekommen. Ich habe ins Rennleiter-Auto gefunkt: Ich klinke mich aus. Aber, wenn man denkt, es ist zu Ende, geht es doch immer noch weiter». Nach einer Fieber senkenden Paracetamol-Tablette vom Rennarzt konnte er die 5. Etappe in Nevers beenden.
Der Tour-Sieger von 1997 gab auf einer chaotischen Pressekonferenz in seinem Mannschafts-Hotel, auf der rund 100 Journalisten und 19 Kamera-Teams auf engstem Raum um die besten Plätze rangelten, am Dienstag «Doping» der besonderen Art zu. «Wenn ich abends zu Hause anrufe und das Geschrei des Babys im Hintergrund höre, ist es das Geilste, was es gibt. Dann sind alle Schmerzen sofort weg», sagte Ullrich. Er schloss nicht aus, dass ihn seine Lebenspartnerin Gaby Weis noch während der Tour besucht. Der gebürtige Rostocker, der Ende vorigen Jahres auf die Schweizer Seite des Bodensees zog, war vier Tag vor Tourstart zum ersten Mal Vater einer Tochter (Sarah Maria) geworden.
«Ich werde alles probieren, um Lance noch zu schnappen», sagte der 1:07 Minuten zurück liegende Ullrich, der während seiner bisher sensationell verlaufenden Tour am Vortag auf der vorletzten Pyrenäen- Etappe die erste kleine Schwäche gegen einen überragenden Armstrong gezeigt hatte. Obwohl es dabei «vielleicht um den Gesamtsieg ging», hätte er keine Sekunde gezögert, auf Armstrong zu warten, nachdem der Texaner elf Kilometer vor dem Ziel in Luz Ardiden gestürzt war: «Das war einfach in mir». Ein bisschen außer sich war der Olympiasieger allerdings im Anschluss über die Fahrweise Iban Mayos, der ebenfalls gestürzt war und wie Armstrong vom Warten Ullrichs und der anderen profitiert hatte.
Im Ziel sprintete ihm der Baske noch direkt vor die Nase und brachte ihn so um vier Sekunden Zeit-Bonifikation. Mayo brauchte die eigentlich nicht - für Ullrich könnten diese Sekunden in der Endabrechnung aber noch ein Mal wichtig werden. Die spannendste Tour seit Jahren spitzt sich immer mehr zu und scheint auf ein ähnliches Ende zuzulaufen wie 1989, als Greg LeMond (USA) den Franzosen Laurent Fignon im letzten Zeitfahren um ganze acht Sekunden abgefangen hatte. Einen geringeren Abstand gab es in 100 Jahren Tour de France noch nie.
Ullrich erlebte diesen Tag auf der Kinder- und Jugend-Sportschule der DDR und erinnert sich noch daran: «Wir konnten Sport im Fernsehen gucken. Die Gesichter der beiden habe ich noch in Erinnerung.» Zurück zu aktuellen Geschehen wollte ein ausländischer Journalist zum Abschluss der hektischen Fragestunde im Novotel von Pau wissen, wie viele Sekunden Ullrich Armstrong im wahrscheinlich entscheidenden Zeitfahren am Samstag über 47 km von Pornic nach Nantes pro Kilometer abzunehmen gedenke. Der zweifache Weltmeister in dieser Disziplin antwortete: «Denken Sie sich was aus.»
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