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24.09.2004 - Berlin (dpa) - Fünf Tage vor WM-Beginn ist im Bund Deutscher Radfahrer nach einem Riesenzoff die erste «Frauen-Ära» in der Verbands-Historie zu Ende gegangen.
Nachdem in einer Krisensitzung in Frankfurt die Vertreter des Präsidiums und der Landesverbände Sylvia Schenk den Rücktritt nahe gelegt hatten, stand die bisherige Präsidentin plötzlich auf und verließ wortlos den Saal.
«Ich bin enttäuscht und verwundert, wie der BDR mit Personen umgeht. Ich bin fassungslos», sagte die Ex-Präsidentin der dpa und fügte enttäuscht hinzu: «Mein Abgang war nicht geplant.» Zuvor hatte sie den Prestige-Machtkampf mit Sportdirektor Burckhard Bremer auf die Frage «er oder ich» zugespitzt und zog mit dem Rückzug Konsequenzen aus den seit gut einem Jahr währenden Querelen, die bis weit in den Leistungssport hinein reichten: Der Boykott der Vierer- «Rebellen» bei der WM 2003 in Stuttgart, die Nichtnominierung von Bahn-Spezialist Daniel Becke und Straßen-Meisterin Petra Roßner für Olympia bis hin zur «Stinkefinger-Aktion» der Olympia-Zweiten Judith Arndt in Athen hatten zuletzt die Ära Schenk im BDR begleitet.
Letzter Auslöser des Zerwürfnisses in der Führungsebene waren Schenks Vorwürfe an Bremer, ihr den angeblichen «Dopingfall» des Bahnspezialisten Christian Lademann im Juni verheimlicht zu haben. Der Berliner hatte bei Tests erhöhte Blutwerte aufgewiesen. «Dass Bremer mich nicht über den Verdachtsfall informiert hat, ist ein eklatanter Vertrauens-Missbrauch. Zudem wurde die Welt-Antidoping- Agentur nicht eingeschaltet. Der Sache sollte nur im kleinen Kreis zwischen Bremer und dem Mannschaftsarzt behandelt werden. Das geht nicht. Wenn wieder so ein Fall auftreten sollte und sich herausstellt, dass der Athlet positiv war, müsste ich meinen Kopf hinhalten und wäre gar nicht involviert», empörte sich Sylvia Schenk.
Bremer sah Schenks Rücktrittsforderung als unbegründet an und erhielt dafür Rückendeckung von Fritz Ramseier. «Frau Schenk hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt. Wenn der Dreck zu hoch liegt, werde ich ihn nicht unter die Decke kehren», meinte der bereits seit 1969 dem BDR-Vorstand angehörende Vizepräsident. Er wird nun kommissarisch die Präsidenten-Geschäfte bis März 2005 führen.
«Der BDR wird erst dann in ruhigeres Fahrwasser kommen, wenn neue Leute das Ruder in der Hand haben», glaubt Schenk. Die Vertreter der Landesverbände hatten indes bei der Krisensitzung ihr Missfallen über Ramseiers Arbeit kundgetan und auch Bremers Rücktritt gefordert. Der legte daraufhin seine Präsidiums-Funktion nieder, bleibt aber weiter hauptamtlicher Sportdirektor. «Bremer hat einen Vier-Jahres-Vertrag. Wenn man ihn entlässt, würde sich der BDR tot zahlen», erklärte BDR- Vizepräsident Wolfgang Schoppe. Das Präsidium legte Bremer nahe, sein Amt ruhen zu lassen. Schoppe: «Vielleicht werden wir auch die Satzung ändern müssen. Bremer ist beim BDR angestellt und sitzt zugleich im Präsidium. Demnach trifft er auch Entscheidungen, die seine Person tangieren. Das kann nicht sein. Da müssen wir nachbessern.»
Sylvia Schenk hatte zuvor Bremer einen Rückzug aus seinem Vetrag angeboten. «Ich habe ihm offeriert, aus gesundheitlichen Gründen seinen Vertrag aufzulösen. Das hat er nicht akzeptiert. Ich wollte den Verband vor Schaden bewahren. Nun wird mir falsches Krisen- Management vorgeworfen», bedauerte die Frankfurterin, die schon seit dem 6. September wieder als Juristin arbeitet. Auch bei UCI-Präsident Hein Verbruggen und deutschen Rad-Profis wie Jens Heppner und Andreas Klöden war die erste weibliche BDR-Präsidentin seit 117 Jahren angeeckt. «Wir brauchen im BDR eine straffere Führung. So etwas wäre unter ihren Vorgängern nicht passierte», hatte Klöden nach dem «Fall Lademann» erklärt und damit indirekt Schenks Rücktritt gefordert.
Bis zur nächsten Präsidiumssitzung Mitte Oktober wird der BDR nun zwei Kommissionen gründen. Die eine soll sich mit Schenks Nachfolge befassen, eine externe Kommission soll sich mit der Neustrukturierung des Leistungssports beschäftigen. Schoppe: «Es müssen klare Regularien getroffen werden, damit endlich wieder Ruhe im Verband herrscht. Es kann nicht sein, dass ein deutscher Meister nicht für internationale Großereignisse nominieret wird.»
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