Profi-Radsport

Jan Ullrich: Nicht auf Armstrong schauen

09.09.2000 - Berlin (dpa) - Der Tour-de-France-Sieger von 1997, Jan Ullrich (Merdingen), sieht seinen Ausstieg aus der Spanien-Rundfahrt als Voraussetzung für eine erfolgreiche Olympia-Teilnahme an. In einem Interview mit der Tageszeitung «Die Welt» hat der Zeitfahr-Weltmeister seinen Rückzug begründet und die Gedanken vor dem wichtigsten Eintagesrennen des Jahres erläutert.

«Dass Olympia für mich Priorität hat, das habe ich von Anfang an gesagt. Aber dass ich die Vuelta als Vorjahressieger dafür nutze, vielleicht hinterher fahre, das wollen die Zuschauer nicht sehen, und das haben auch die Veranstalter dieses schönen Rennens nicht verdient», erklärte der Telekom-Kapitän den etwas überraschenden Ausstieg.

Die Vuelta sei keine schlechte Vorbereitung für Sydney gewesen, jetzt brauche er etwas Ruhe. Es wäre ein Fehler, für das olympische Zeitfahren alles nur auf einen Zweikampf zwischen ihm und Tour-Sieger Lance Armstrong (USA) zu reduzieren. «Ich gehe meinen Weg. Man darf allerdings nicht nur auf Armstrong schauen, sondern muss auch an die Spezialisten denken, die sich das ganze Jahr nur auf dieses Zeitfahren konzentrieren. An den Briten Chris Boardman und wie sie alle heißen.»

Aber der Amerikaner sei der, den es zu schlagen gelte. Er habe sich zwei Jahre lang so präsentiert, dass kaum eine Schwäche zu sehen war. «Man darf auch nicht die Schwächen bei anderen suchen, sondern muss selbst die optimale Leistung aufbauen. Mit 90 Prozent anzukommen und zu hoffen, der andere hat vielleicht auch nicht mehr drauf, das klappt nicht.» Wenn es ihm in den verbleibenden Wochen zu Hause im Schwarzwald gelingen sollte, den perfekten Weg zur Bestform zu finden, könne er auch Armstrong bezwingen, ist sich Ullrich sicher. «Wenn ich daran nicht glauben würde, könnte ich auch aufhören.» Er habe beizeiten deutlich gemacht, dass er die Vuelta opfern müsse, «damit die Form vor Olympia nicht in die Binsen geht.»

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