Profi-Radsport

L.A. nur Zwischenstation für Bahn-Sprinter

24.03.2005 - (sid) - Ein halbes Jahr nach dem überzeugenden Olympia-Auftritt von Athen bricht für die deutschen Bahnradfahrer ab heute eine neue Zeitrechnung an. Die WM in Los Angeles (24. bis 27. März) gilt dabei als erste post-olympische Standortbestimmung. "Wir wissen alle noch nicht, wo wir stehen. Zu einem so frühen Zeitpunkt hat die WM in der Vergangenheit nie stattgefunden. Das ist für uns ein Modellversuch", sagt Burckhard Bremer, Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR).

Gänzlich unambitioniert werden die BDR-Cracks jedenfalls nicht durchs Oval sprinten. Die WM-Bilanz von Melbourne 2004, als eine einzige Bronzemedaille das schwächste Ergebnis seit 36 Jahren bedeutete, solle definitiv verbessert werden. "Im vergangenen Jahr war die WM nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu den Olympischen Spielen", erklärt Bremer und sieht sich mit der folgenden Athen-Ausbeute (einmal Gold, dreimal Bronze) bestätigt.

Auf Medaillengarant Jens Fiedler, der in Athen zum Triumph im Teamsprint beitrug, kann der BDR dabei allerdings nicht mehr zählen. Nach drei Olympiasiegen und fünf WM-Titeln beendete der Chemnitzer Anfang Februar seine Karriere. Sein Erbe soll nun Rene Wolff antreten, der bei Olympia neben dem Mannschaftsgold auch Bronze im Sprint gewonnen hatte.

Wolff glänzt durch Leistung

"Ich beanspruche keine Führungsrolle. Wie Fiedler das gemacht hat, kann ich das nicht und will es auch gar nicht. Ich bin kein Showman", sagt Wolff, der aber sportlich für Schlagzeilen sorgen will: "Im Teamsprint streben wir als Olympiasieger natürlich eine Medaille an, und auch in den Einzel-Disziplinen Keirin oder Sprint möchte ich einmal auf das Podest." Gleiches gilt für Stefan Nimke, der neben dem Mannschafts-Wettbewerb auch im 1000-m-Zeitfahren Titelchancen hat.

Podestplätze waren für den deutschen Bahn-Vierer dagegen zuletzt nicht in Reichweite. Nach dem WM-Boykott von Stuttgart 2003 soll langfristig eine neue Mannschaft um Bartko und Guido Fulst aufgebaut werden. "Wir lassen den Trainern Spielraum, junge Fahrer einzubauen. Wir akzeptieren, dass dieser Prozess Zeit bedarf. 2007 oder 2008 wollen wir dann wieder um den Sieg mitfahren", so Bremer zur einstigen deutschen Paradedisziplin. Trotzdem bleibt die Tür für Fahrer aus den Profi-Teams wie Daniel Becke oder Danilo Hondo weiter offen.

Erfolgsaussichten der Frauen gering

Nur geringe Aussichten auf Edelmetall haben dagegen die deutschen Frauen. Im Ausdauerbereich ist die Weltspitze den BDR-Athletinnen längst enteilt. Und auch im Kurzzeit-Bereich wäre jede Medaille eine Überraschung, wie auch Bremer weiß: "Wir haben neue Strukturen geschaffen. Vielleicht können wir in zwei, drei Jahren wieder um Medaillen mitfahren. Außerdem habe ich noch die Hoffnung, dass im Ausdauerbereich, die eine oder andere Fahrerin von der Straße zurück auf die Bahn kommt."