Zabel über Ullrich

"Als ob Beckenbauer Stadionverbot bekäme"

18.07.2006  |  Gap (dpa) - Erik Zabel entkommt Jan Ullrich nie. «Ich dachte, die Fragen nach ihm lassen durch den Teamwechsel nach. Aber jetzt, wo sich die Ereignisse überschlagen...»

Der nach Siegen gerechnet erfolgreichste aktive Radprofi der Welt hat die Hoffnung aufgegeben, selbst nach der Suspendierung Ullrichs, dem Schatten des T-Mobile-Fahrers zu entrinnen. «Jan spielt in einer Liga mit Boris Becker und Franz Beckenbauer. Was jetzt passiert ist etwa so, als wenn man Beckenbauer während der Fußball-Weltmeisterschaft verboten hätte, das Stadion zu betreten», sagte Zabel über seinen ehemaligen Team-Kapitän. Von 1995 bis 2005 fuhren der 36 Jahre alte Milram-Sprinter und Ullrich zusammen für den Bonner Rennstall.

«Jede Aussage von mir in diesem schwebenden Verfahren wird auf die Goldwaage gelegt und möglicherweise als Seitenhieb ausgelegt. Das ist nicht mein Ziel», sagte Zabel, dessen hochkarätige Erfolge in zehn Jahren die Neuigkeiten über Ullrichs immer wiederkehrende Gewichtsprobleme medial nur schwer aufwiegen konnten. Letztlich reduziere sich die aktuelle Doping-Problematik um Ullrich laut Zabel auf die Frage «nach Ethik und Moral».

Der gebürtige Berliner, der unter dem Ullrich-Boom nicht nur litt sondern davon auch kräftig profitierte, riet dem Wahlschweizer am zweiten Tour-Ruhetag in den Bergen hoch über Gap: «Vielleicht sollte Jan jetzt reden oder handeln.» Zabel meinte damit nicht die von Advokaten diktierte «Stellungnahme», mit der der von seinem Team wegen Doping-Verdachts suspendierte Ullrich sein zweiwöchiges Schweigen gebrochen hatte.

«Der Festina-Skandal von 1998 war eine große Chance des Radsports, etwas zu ändern. Wenn wir sie jetzt nicht packen, wann dann?» fragte der sechsfache Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France. Er befürchtet, dass die niemals verebbende Doping-Diskussion im Radsport mit einem Rückzug der Sponsoren zuerst die untersten Bereiche treffen könnte. Zabel: «Diese Welle könnte auf die Jugend und Junioren zurollen, wenn dort kein Geld mehr da ist.»

Nur ein Mal in seiner langen, erfolgreichen Karriere geriet Zabel selbst in Doping-Schlagzeilen, als er im April 1994 auf Anabolika positiv getestet worden war. Der Weltverband belegte Zabel, der beim Eintagesrennen Veenendaal-Veenendaal angeblich eine Salbe gegen Sitzbeschwerden benutzt hatte, mit einer Drei-Monatsstrafe auf Bewährung.

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