Profi-Radsport

Comeback von Rad-Profi Marcel Wüst weiter ungewiss

21.12.2000 -

Berlin (dpa) - Mehr als vier Monate nach seinem schweren Unfall ist es weiterhin ungewiss, ob Marcel Wüst seine Karriere als Rad-Profi fortsetzen kann. Anfang 2001 will der Kölner mit seinem Team Festina auf jeden Fall ins Trainingslager nach Mallorca gehen und dabei auch über seine Zukunft sprechen.

«Es kann sich sicherlich noch einiges tun, was auch dazu führen kann, dass ich meine Karriere fortsetze», hat Wüst die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Im Februar soll es eine weitere Untersuchung in Köln geben. «Dann werden wir wissen, ob noch ein kleines Wunder geschehen ist», erklärte Wüst gegenüber dem Internet-Anbieter «Sport1».

Auf jeden Fall will Wüst bis zum Tour-Start im kommenden Sommer eine Entscheidung treffen. «Wenn ich bis Juni nicht wieder Radrennen fahren kann, dann gebe ich zum Tour de France-Start meinen Rücktritt bekannt», sagte der Festina-Profi. Mit 33 Jahren hätte er nicht mehr «anderthalb oder zwei Jahre Zeit, darauf zu warten, dass es besser wird». Im August war Wüst in Frankreich schwer gestürzt, hatte sich einen Schädel- und Jochbeinbruch sowie eine Schädigung des rechten Auges zugezogen. Nach drei Operationen beträgt seine Sehkraft rechts noch immer erst 0,5 Prozent.

Wüst schwankt derzeit angesichts seiner gesundheitlichen Situation, wie es weiter vorgehen soll. «Es könnte reichen, um wieder zu trainieren», hofft der Profi einerseits. Andererseits wies er in einem Interview für das Sportmagazin «Kicker» auf die Gefahr hin: «Ich muss mir viel Ruhe antun, weil nach dem Schädelbasisbruch das Loch in der Hirnhaut auf keinen Fall wieder aufgehen darf.» Derzeit fahre er «höchstens mal mit dem Mountainbike zum Bäcker».

Festina hat den Profi-Vertrag von Wüst inzwischen verlängert. Für den Fall, dass er seine Karriere als Aktiver beenden muss, hat ihm das Team einen Job innerhalb der Mannschaft angeboten. «Das ist ein großer Rückhalt für mich», unterstrich Wüst, der im ZDF den «Prix Malheur» als eine Art Trostpreis für das Pech im Jahr 2000 bekommen hatte. Einen Abschied nach über 100 gewonnenen Rennen ordnet Wüst für sich selbst ein: «Es gibt Leute, die sind viel schlimmer dran. Auch in meinem Fall hätte es viel schlimmer kommen können.»

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