Profi-Radsport

Radprofi Virenque in Doping-Prozess freigesprochen

22.12.2000 -

Lille (dpa) - Radprofi Richard Virenque ist im Doping-Prozess vor der 7. Strafkammer des Gerichts im nordfranzösischen Lille freigesprochen worden. Bewährungs- und Geldstrafen gab es dagegen für die Leitung des Teams Festina, das 1998 bei der Tour de France den größten Doping-Skandal im Radsport ausgelöst hatte, und fünf andere in den Prozess Verstrickte. Richter Daniel Delegove sprach in seiner Urteilsbegründung von einer «Generalisierung des Doping-Problems im Radsport».

Der belgische Ex-Festina-Betreuer Willy Voet wurde zu zehn Monaten Gefängnis auf Bewährung und 30 000 Francs (knapp 9 000 Mark) Geldstrafe verurteilt. Der ehemalige Sportchef Bruno Roussel erhielt ein Jahr Gefängnis auf Bewährung und eine Geldstrafe von 50 000 Francs. Vor dem Tour-Start 1998 waren in Voets Auto an der belgisch- französischen Grenze Doping-Mittel sichergestellt worden, mit der das halbe Starterfeld hätte versorgt werden können.

Der Masseur Jeff d`Hont, vor seiner Zeit bei Festina auch beim Team Telekom beschäftigt, erhielt neun Monate auf Bewährung. Zu je fünf Monaten Bewährungsstrafe wurden außerdem zwei weitere Helfer des Teams verurteilt. Die angeklagte Apothekerin Christine Paranier und der frühere Teamarzt der spanischen Once-Mannschaft, Nicolas Terrados, müssen 30 000 beziehungsweise 10 000 Francs Strafe zahlen.

Der 31-jährige Virenque, fünf Mal Gewinner des Bergtrikots bei der Tour, hatte zu Beginn des Prozesses nach 27-monatigem Leugnen eigene Doping-Praxis gestanden. «Ich war ein Schaf in der Herde und bin mitgelaufen», sagte Virenque und unterstellte damit Doping als gängige Praxis im Profi-Radsport. In diesem Sinne hatten sich auch Roussel und Voet, der zwei «Enthüllungsbücher» über die Machenschaften im Radsport schrieb, mehrfach geäußert.

Trotz des Freispruchs dürfte die Karriere des in Casablanca geborenen Bergspezialisten wahrscheinlich beendet sein. Trotz seines bemerkenswerten Comebacks bei der vergangenen Tour mit Rang sechs ist er weiter ohne Mannschaft für die kommende Saison. Zudem erwartet ihn eine sechsmonatige Sperre des Radsportverbandes.

Sein Rennstall Polti (Italien) hatte sich zurückgezogen. Nach neuem Reglement des Internationalen Radsport-Verbandes UCI würde die Sperre im Februar 2001 beginnen, was Virenques Tour-Start im kommenden Jahr unmöglich machen würde.

Der Prozess gegen den an Krebs erkrankten ehemaligen Festina-Arzt Eric Rijckaert (Belgien), der flächendeckendes Doping im Team geleitet hatte, wurde abgetrennt. Mit den Strafen blieben die Richter in dem seit 23. Oktober währenden Prozess nur leicht unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft.