24-Stunden-Test-Regel für Athleten

NADA will Schlupflöcher im Kontrollsystem schließen

25.05.2007  |  Düsseldorf (dpa) - Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) will Schlupflöcher im deutschen Kontrollsystem schließen. Zum 1. Juli soll deshalb ein nationaler Testpool eingerichtet werden, in dem rund 2000 Athleten erfasst werden.

«Sportler, die zu diesem Testpool gehören, werden mit der 24-Stunden-Regel bei Trainingskontrollen konfrontiert werden und nicht binnen 72 Stunden zum Test erscheinen müssen», kündigte der NADA Vorstandsvorsitzende Armin Baumert in einem dpa-Gespräch die praktische Durchsetzung der kurzen und im Anti-Doping-Kampf effektiven Vorwarnzeit für die Topathleten an.

Dies ist ein Schritt zu intelligenteren Kontrollen, die auch vor dem Hintergrund des Radsport-Skandals dringend notwendig sind. Schließlich hatte Profi Erik Zabel bei seinem Aufsehen erregenden Doping-Geständnis gesagt: «Ich habe gedopt, weil es ging. Und die Situation ist heute ähnlich, weil das Kontrollsystem immer noch lückenhaft ist.»

Im nationalen Testpool sollen alle Athleten aufgenommen werden, die in den Topkadern für die Olympischen Spiele 2008 in Peking sind. Darüber hinaus können nichtolympische Verbände ihre Spitzensportler der NADA benennen. Zukünftig müssen sich diese Athleten nach einer Aufforderung zur Kontrolle binnen eines Tages für eine Stunde zum Test zur Verfügung stellen. «Im Juni werden wir eine Offensive starten, mit der Athleten, Trainer und Verbände über diese Änderung informiert werden», sagte Baumert, «so dass nachher keiner mehr sagen kann, nichts davon gewusst zu haben.»

Die NADA war zuletzt kritisiert worden, 201 mögliche Verstöße gegen die Meldepflicht von Athleten im Jahr 2006 zunächst nicht an die Spitzenverbände gemeldet zu haben. Im Zuge dieser Diskussion wurde auch deutlich, dass es bei diesen so genannten «missed tests» eine Konfusion gab, was die 24- und 72-Stunden-Regel anbelangte. «Es gab da eine Unsicherheit», offenbarte Baumert.

Der neue NADA-Vorsitzende plädiert auch angesichts der Kritik an den Lücken im Kontrollsystem nicht für eine Erhöhung der Anzahl der Tests. «Es macht keinen Sinn, 10 000 statt wie bisher rund 4500 Kontrollen pro Jahr zu machen», meinte er. «Stattdessen muss das Instrumentarium geschärft, das System verfeinert und intelligenter werden. Es gibt da viele Möglichkeiten.»

Eine Maßnahme wäre, dass die Kontrollen von NADA-Mitarbeitern vorgenommen werden. «Dies ist allerdings Zukunftsmusik», so Baumert. Und angesichts eines Etats für das operative Geschäft von gegenwärtig 1,8 Millionen Euro nicht denkbar. Zurzeit ist die Münchner Firma PWC mit dem Kontroll-Management beauftragt und erhält dafür rund 500 000 Euro pro Jahr. Von der Wirtschaft wird die NADA im übrigen weiterhin nur spärlich unterstützt: Lediglich die Deutsche Bank, adidas und die Deutsche Telekom geben jeweils 50 000 Euro.

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 7848 Kontrollen für den organisierten Sport in Deutschland durchgeführt. Davon 4415 Trainingstest, von denen 568 Urinproben auf das auch im Radsport sehr populäre Blutdopingmittel EPO. Zudem gab es 3432 Kontrollen bei Wettkämpfen. Bei den Trainingskontrollen wurde nur zehn Verstöße bei Athleten deutscher Spitzenverbände festgestellt. Alle Untersuchungen auf EPO - darunter 135 bei Aktiven des Bundes Deutscher Radfahrer - blieben ohne Befund. Die meisten Wettkampf- und Trainingskontrollen, nämlich 1326, wurden für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) vollzogen. Für den BDR waren es 433 Test, davon 241 nach Wettkämpfen und 192 unangemeldete beim Training.

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