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"Ich kann noch gar nicht begreifen, dass ich jetzt Zweiter der Tour bin!"
(Gerolsteiner-Profi Bernhard Kohl nach der 15. Tour-Etappe)
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26.05.2007 - Kopenhagen (dpa) - «Unser Adler aus Herning ist abgestürzt und als gerupftes kleines Hühnchen mit einem Platsch aufgeschlagen» - mit diesen Worten kommentierte die Kopenhagener Zeitung «Ekstra Bladet» das Doping-Geständnis des nationalen Radsport-Idols Bjarne Riis.
Dass der Sieger der Tour de France von 1996 die jahrelange systematische Einnahme des Ausdauermittels EPO betont selbstbewusst und ohne erkennbare Reue zugab, fand «B.T.» am bemerkenswertesten: «Mit der bei ihm üblichen Klotzigkeit betonte Riis immer und immer wieder, dass er weiter stolz auf seine Erfolge ist. Das lässt nichts Gutes für die Zukunft erwarten.» Dänemarks Kulturminister Brian Mikkelsen meinte: «Er hat die ganze Welt belogen und betrogen. Was er getan hat, ist ethisch extrem verwerflich und sehr amoralisch.»
Allerdings gab es sowohl unter Politikern wie Medien in Kopenhagen durchaus auch andere Töne. Aus der Riis-Geburtsstadt Herning erklärte Bürgermeister Lars Krarup, dass die Plakette zu Ehren des Ex- Radprofis ihren Platz am Marktplatz behält: «Die Platte bleibt. Genau wie der Tour-Sieg von Bjarne.» Der nun geständige Doping-Sünder habe ja «andererseits auch viele gute Dinge» mit seiner Antidoping-Politik als Chef seines Teams CSC geleistet.
Der Direktor der Tour de France, Christian Prudhomme, sieht das anders. Der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau sagte er, Riis habe als Fahrer betrogen. Man müsse sich fragen, ob er danach würdig sein könne, heute ein Team zu leiten. Der Internationale Radsportverband UCI hatte vom Tour-Sieger die Rückgabe seines Gelben Trikots - «dem Symbol des Sieges» - verlangt. Der Titel selbst kann Riis nicht mehr aberkannt werden. Die italienischen Medien sehen nach dem ersten Doping-Geständinis eines Tour-de-France-Siegers den Radsport «im totalen Chaos versinken» («La Stampa»). «La Gazzetta dello Sport» schrieb von einem «Schock aus Dänemark. Auch Riis bricht zusammen.»
Die größte dänische Zeitung «Jyllands-Posten» mochte den größten Erfolg in der Sportgeschichte des eigenen Landes neben der Fußball-EM 1992 indes nicht in Grund und Boden verdammen: «Riis hat sich in einer Welt bewegt, die förmlich um Betrug gebettelt hat.»
So schien es wohl auch der Betroffene selbst immer empfunden zu haben. Das dänische Fernsehen zeigte nach dem Geständnis des einstigen Telekom-Kapitäns immer wieder seine Interviewäußerungen früherer Tage, als Riis auf die Frage nach etwaigem Doping herausfordernd grinste und nur antwortete: «Ich bin nie positiv getestet worden.» Aussteigen aus der Radsport-Berichterstattung will der dänische Sender tv2 trotz der Doping-Vergangenheit von Riis nicht.
Letztlich hätten alle immer Bescheid gewusst, meinte auch «Politiken» und sah durchaus Chancen für Riis auf eine Zukunft im Rampenlicht des Radsport-Geschäfts: «Wenn Bjarne Riis aus seiner Dummheit gelernt hat, macht er aus seiner eigenen Radsport-Mannschaft ein Musterbeispiel für die Dopingbekämpfung.»
Dass der jetzige Teamchef mit Tyler Hamilton und Ivan Basso schon zwei Stars in seinem Stall beschäftigt hat, die auch nach dem eigenen EPO-Sündenfall kräftig mit Doping zu tun hatten, blieb unerwähnt. «Man kann nur schwer glauben, dass die medizinischen Manipulationen auch nach dem Ende der eigenen Karriere für Riis nicht weitergegangen sind», meinte die Zeitung «Information».
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