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27.05.2007 - Hamburg (dpa/sid) - Der frühere Telekom-Masseur Jef D`Hont hat Jan Ullrich nach einem Zeitungsbericht des Blut-Dopings bezichtigt. Er habe dem Tour-de-France-Gewinner von 1997 in Frankreich einmal EPO verabreicht.
Er habe ihm das Mittel «in den Arm gespritzt», sagte D`Hont in einem Interview mit der «Bild am Sonntag». «Das dauert ungefähr zehn Sekunden, das ist so, als ob man einem zuckerkranken Patienten Insulin gibt.»
Der unter Dopingverdacht stehende Ullrich hat stets betont, dass er in seiner Radsportkarriere niemanden betrogen habe. Der 33-jährige Ullrich hat seine Laufbahn am 26. Februar beendet. D`Hont, der mit seinen Enthüllungen den Doping-Skandal im Radsport ins Rollen gebracht hatte, stellte fest: «Wenn alle sauber gewesen wären, hätte Ullrich zehn Mal die Tour gewonnen. Mindestens! Ich weiß nicht, ob er jemals Doping wollte: Aber er hat damals mitgemacht, weil es alle taten.»
Dagegen dementierte D`Hont, dass er Bjarne Riis die erste Spritze Epo verabreicht habe: "Er hat sich vor seiner Telekom-Zeit schon vollgepumpt. Das hat er mir selbst gesagt. Riis ist groß geworden, weil er gedopt hat. Sonst wäre er ein mittelmäßiger Rennfahrer geblieben."
D'Hont hatte nach seinen Enthüllungen sogar eine Morddrohung erhalten. "Einmal, am Telefon. Ein Mann hat gesagt: Ich mach dich kaputt, ich mach dich tot. Das war ein Belgier, der seine Telefonnummer nicht unterdrückt hatte. Das habe ich nicht ernst genommen", sagte der Betreuer, der nach seiner Buch-Veröffentlichung auch einen Anruf vom inzwischen geständigen Ex-Telekom-Fahrer Udo Bölts erhalten hatte: "Er fragte mich: Komme ich auch vor? Und: Musst Du die Ärzte so belasten?"
Dass D'Hont, dessen Buch in Belgien auf Platz eins der Bestsellerlisten steht, erst jetzt auspackt, lag daran, dass sein Sohn lange Zeit als Betreuer beim Telekom-Team angestellt war. Er hoffe nun, dass auch in anderen Ländern, Teams auspacken werden. "Dort ist Doping auch Bestandteil, das weiß ich."
Der 65 Jahre alte Belgier, der von 1992 bis 1996 Betreuer im Telekom-Team von Olympiasieger Ullrich war, sagte weiter: «In Deutschland habe ich nie EPO verabreicht, nicht Jan Ullrich und auch nicht anderen Radfahrern. Dafür waren die Ärzte zuständig. Ich war ja nicht der feste Betreuer von Jan Ullrich. Nur in Frankreich habe ich ihm einmal das Mittel gespritzt», sagte D`Hont der «Bild am Sonntag».
Auch nach der Geständniswelle der Radprofis in den letzten Tagen will sich Ullrich offenbar nicht äußern. «Pressemeldungen, nach denen Jan Ullrich zu den aktuellen Ereignissen Stellung beziehen wird, sind falsch. Es gibt für Jan keinen Grund, sich öffentlich zu äußern», hieß es auch am Samstag auf seiner Internetseite. Zuletzt hatte der ehemalige Telekom-Kapitän Bjarne Riis als erster Tour-Sieger die Einnahme von EPO zugegeben.
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