Profi-Radsport

Blutdoping bei T-Mobile

Wer war im "Rhein-Konvoi" dabei?

09.12.2007 - Berlin (dpa/Ra) - Der dreifache Zeitfahr-Weltmeister Michael Rogers könnte nach Veröffentlichungen der «Stuttgarter Zeitung» wieder in den Fokus von Doping-Verdächtigungen geraten. Der Kapitän des nach dem Telekom-Ausstieg neu formierten High Road-Teams von Bob Stapleton steht unter Verdacht, wie Patrik Sinkewitz zu Beginn der Tour de France 2006 in der Uni-Klinik Freiburg mit Blut-Transfusionen behandelt worden zu sein. Mindestens fünf T-Mobile-Fahrer hätten sich während der Tour im Vorjahr in der sportmedizinischen Abteilung der inzwischen geschassten Team-Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid illegal behandeln lassen. Bisher hatte das nur der Kronzeuge Patrik Sinkewitz gestanden.

Die «Stuttgarter Zeitung» bezog sich in ihrem Bericht auf die Untersuchungskommission der Universität. Dort ist von einem «Rhein-Konvoi» die Rede. Dieser soll am selben Abend wie Sinkewitz, am 1. Juli 2006, von Straßburg nach Freiburg gefahren sein. In dem Institut sei den Fahrern am Abend des Tour-Prologs Blut zugeführt worden. Der Molekularbiologe Werner Franke, der in der Kommission sitzt, kommentierte den Vorgang so: «Jeder kann nachschauen, wer beim Einzelzeitfahren in Rennes vorne war.»

Eine Woche nach dem Tour-Auftakt hatten sich vier T-Mobile-Fahrer unter den ersten Acht platziert: Der wegen auffälliger Blutwerte im Sommer entlassene Sergej Gontschar hatte das 52-Kilometer-Zeitfahren in Rennes gewonnen. Rogers, der sich gegen den Doping-Verdacht verwahrte, war Vierter geworden. Sinkewitz landete auf Rang sechs, der seit 2007 für Astana fahrende Andreas Klöden war Achter geworden. Der im Juli wegen Testosteron-Dopings von Astana entlassene Matthias Kessler hatte nach Platz 14 im Zeitfahren auch noch eine Tour- Etappe gewonnen. Rogers betonte später in einem Interview, in Rennes hätte die Mannschaft ihre «wahre Stärke» gezeigt.

Die Mitglieder des High-Road-Teams, die zur Zeit auf Mallorca unter Stapleton an einer neuen Marschroute für die kommende Saison basteln, waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Nach ersten Verdächtigungen gegen Rogers hatte der frühere T-Mobile-Team-Sprecher Stefan Wagner, der diese Position auch in der neuen Mannschaft innehat, im Vormonat erklärt, dass der Australier nach Befragen durch die Teamleitung Fahrten nach Freiburg zum Blutdopen verneint hatte.

«Vielleicht hören wir im Januar die nächsten Geständnisse, wenn an der Sache etwas dran ist», sagte die ehemalige Verbands-Präsidentin und heutige Vorsitzende der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, Sylvia Schenk. Die Wende zum Besseren im Radsport könnte laut Schenk nur durch einen kompletten Austausch des bekannten Personals («Auch Stapleton ist schon eineinhalb Jahre dabei») gelingen. Zudem müssten alle Rennställe, der Weltverband UCI und die Organisatoren der Tour de France an einer Kooperation interessiert sein. Schenk: «Es gibt doch genug Sportärzte, die mit Doping nichts zu tun haben.»

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