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17.01.2008 - Neuss (sid)- Die ARD gerät immer mehr in die Defensive. Der Deutsche Skiverband (DSV) sprach von einer „Medien-Affäre“ und will eine Unterlassungserklärung erwirken. Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle nannte die unbewiesenen Vorwürfe „ungeheuerlich“, den Generalverdacht „Rufschädigung“ und fürchtet um die Zukunft des deutschen Wintersports. Das „Erste“ entschuldigte sich am Donnerstag öffentlich für „journalistische Fehler“, will aber vorerst keine personellen Konsequenzen ziehen.
„Der Vorgang sollte uns allen eine Lehre sein, mit nicht belegten Behauptungen das Ansehen von Sportlern zu gefährden“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper gegenüber dem sid. Auch die Medien müssten sich dabei ihrer besonderen Verantwortung bewusst sein.
Der österreichischen Regierung liegt derzeit kein Beweis vor, dass Athleten ihres „oder irgendeines anderen Landes.“
Blutdoping vorgenommen oder gegen ein anderes Gesetz verstoßen haben. Mit dieser Auskunft reagierte das Bundeskanzleramt in Wien umgehend auf die Anfragen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vom Mittwoch.
„Sofern Namen von Athleten über die Medien verbreitet werden, basiert dies nur auf Gerüchten“, teilte Sport-Staatssekretär Reinhold Lopatka unter Bezug auf einen ARD-Bericht mit, wonach auch 20 deutsche Biathleten und Langläufer sowie die Radprofis Michael Rasmussen, Michael Boogerd und Denis Mentschow Blutdoping über die Wiener Firma „Human Plasma“ betrieben haben sollen.
Lopatka bestätigte, dass Innenminister Günter Platter das österreichische Bundeskriminalamt (BK) zur Aufnahme von Ermittlungen aufgefordert hatte, nachdem die italienische Justiz um Amtshilfe gebeten hatte. „Wenn neue Beweise vorliegen, werde ich Sie informieren, sobald diese vorliegen“, hieß es in den Schreiben an das IOC und den DOSB. Auch dem Bundeskriminalamt (BKA) liegen bislang noch keine Hinweise auf eine mögliche Verwicklung deutscher Athleten vor, wie eine BKA-Sprecherin dem sid sagte. Man befinde sich jedoch in einem intensiven Informationsaustausch mit den österreichischen und italienischen Strafverfolgungsbehörden.
Am Donnerstagnachmittag hatte die
ARD „journalistische Fehler“ in ihrer Doping-Berichterstattung zugegeben. „Wir entschuldigen uns öffentlich“, erklärte ARD-Moderator Michael Antwerpes zu Beginn der Übertragung vom Biathlon-Weltcup aus Antholz im Ersten. Es sei nicht korrekt gewesen, pauschale Vorwürfe ohne Namensnennung zu erheben. Die Aussage gelte für den aktuellen Wissensstand, man würde weiter Recherche und Aufklärung unterstützen. Personelle Konsequenzen bei der
ARD gibt es vorerst offiziell nicht. „Disziplinarische Maßnahmen sind derzeit kein Thema“, teilte ARD-Sportkoordinator Günter Struve mit.
Ungeachtet der Entschuldigung will der Deutsche Skiverband (DSV) gegen die Redakteure des Senders eine Unterlassungserklärung erwirken. Nach Ansicht von DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach ist aus der „Doping-Affäre“ eine „Medien-Affäre“ geworden. Es sei Sache der Anwälte, über weiter hinaus gehende Schritte zu befinden.