Profi-Radsport

91. Giro d’Italia: Contador verteidigt Rosa

Pellizotti auf Schotter der Schnellste

26.05.2008 - (dpa/rsn) - Alberto Contador hat beim Bergzeitfahren des 91. Giro d’Italia souverän sein Rosa Trikot verteidigt. Der 25-jährige Spanier belegte auf dem extrem schweren, 12,9km langen und bis zu 24% steilen Parcours von San Vigilio di Marebbe hinauf zum Kronplatz (Plan de Corones) den vierten Platz und baute den Vorsprung auf seinen schärfsten Konkurrenten, den Italiener Riccardo Ricco (Saunier Duval), um weitere acht Sekunden aus. Es siegte etwas überraschend Riccos Landsmann Franco Pellizotti (Liquigas) vor dem zweifachen Etappensieger Emanuele Sella (CSF Group Navigare) und Gilberto Simoni (PVC Serramenti). Eine starke Leistung zeigte Jens Voigt (CSC), der als bester deutscher Fahrer Elfter wurde.

Pellizotti hatte sich bereits auf den vorangegangenen beiden Bergetappen in guter Verfassung gezeigt und mehrfach im Finale attackiert. Beim bisher spektakulärsten Berg-Zeitfahren der Radsport-Geschichte feierte der 30-jährige Liquigas-Kapitän den bisher größten Erfolg seiner Karriere. Der beste Kletterer des Tages benötigte für die 12,9 Kilometer auf den schneebedeckten Plan de Corones über zu bewältigende knapp 1100 Höhenmeter 40:26 Minuten und war damit sechs Sekunden schneller als Sella, den Sieger der beiden Vortage. Erneut eine starke Vorstellung lieferte Simoni, der das 2.273m hoch gelegene Ziel nach 40:43 Minuten erreichte.

Weitere fünf Sekunden dahinter landete Contador, der damit seine Favoritenstellung in der Gesamtwertung eindrucksvoll untermauerte. Der Tagesfünfte Ricco war nur acht Sekunden langsamer als der spanische Toursieger und festigte seinen zweiten Platz im Gesamtklassement. Verlierer des Tages war Titelverteidiger Danilo Di Luca (LPR). Der 32-jährige Italiener wurde in 42:11 Minuten Neunter und fiel in der Gesamtwertung auf den sechsten Platz hinter Simoni, dem Tagessiebten Marzio Bruseghin (Lampre) und Pellizotti zurück. Einen Rückschlag musste auch Denis Mentschow (Rabobank) einstecken. Der Russe verlor als Zehnter 1:49 Minuten auf den Tagessieger und ist jetzt hinter Di Luca Gesamtsiebter.

Der Lausitzer Andreas Klöden spielte keine Rolle im Kampf um den Tagessieg und belegte in 43:06 Minuten Platz 19. Nachdem er schon auf den beiden zurückliegenden Berg-Etappen mehr als sechs Minuten und damit alle Chancen auf seinen ersten Giro-Gesamterfolg verspielt hatte, zeigte der 32-Jährige ein kontrolliertes Rennen, ohne bis an die Grenzen zu gehen. Besonders hart traf es Thomas Fothen (Gerolsteiner), für den wegen des Überschreitens der Karenzzeit der Giro nun vorzeitig beendet ist. Besser lief es für Fothens Teamkollegen Johannes Fröhlinger. Der 22-jährige gebürtige Gerolsteiner, dessen Team nach dem Beginn der letzten Giro-Woche nur noch mit zwei Fahrern vertreten ist, kam auf einen überzeugenden 29. Platz.

Besonders spektakulär waren die letzten fünf Kilometer auf den 2273 Meter hohen Plan de Corones: Das von zehntausenden Fans gesäumte Schotter-Schlussstück wies in machen Kehren eine Steigung von 24 Prozent auf. Bereits vor zwei Jahren war der Plan de Corones als Giro-Ziel auserwählt. Damals jedoch hatte ein Fahrer-Protest aufgrund frischer Schneefälle Erfolg, so dass das Ziel fünf Kilometer vorverlegt wurde.

Heftige Kritik an dieser Etappe äußerte Jens Voigt. «Solch ein Rennen bringt niemandem etwas. Der Weg zum Start ist verstellt. Von hier oben kommt man nicht weg. Für die Zuschauer ist das sicher schön. Doch was haben Radsportler in einem Skigebiet verloren?», fragte der 36-jährige Berliner, der in 42:31 aber seine bisher beste Leistung bei diesem Giro zeigte.

Der Giro ist nach Ansicht des Routiniers insgesamt schlechter organisiert als der vor zwei Jahren bei Vogts erster Teilnahme. «Die langen Transfers sind nicht zumutbar. Wir fahren mehr Kilometer mit dem Bus als auf dem Rad. Es wird nicht durchgegriffen, wenn Fahrer sich an Autos festhalten. Mich haben zuletzt Leute überholt, die sich vorher von Autos haben ziehen lassen. Das ist ungerecht. Das ist kein Sport mehr», sagte der zweifache Gewinner der Deutschland Tour stark verärgert.

Nach dem Ruhetag am Dienstag führt die 17. Etappe über 146km von Sondrio nach Locarno. Auf dem überwiegend flachen Teilstück mit nur vier kleineren Hügeln bietet sich sowohl Außenseitern als auch Sprintern die Chance auf einen Tagessieg.

später mehr