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20.07.2008 - (rsn/dpa/sid) – Der Luxemburger Fränk Schleck (CSC Saxo Bank) hat auf der 15. Etappe der Tour de France den Australier Cadel Evans (Silence-Lotto) aus dem Gelben Trikot gefahren. Bei der Bergankunft im italienischen Prato Nevoso reichte dem luxemburgischen Meister ein neunter Platz, um in einem spannenden Finale mit sieben Sekunden Vorsprung die Gesamtführung vor dem Österreicher Bernhard Kohl (Gerolsteiner) zu übernehmen. Eine Sekunde dahinter folgt Evans auf Platz drei.
Das 182km lange Teilstück von Embrun in den italienischen Skiort Prato Nevoso gewann der Australier Simon Gerrans (Credit Agricole) im Sprint einer drei Fahrer starken Spitzengruppe vor dem Spanier Egoi Martinez (Euskaltel) und dem US-Amerikaner Danny Pate (Garmin Chipotle). Hinter dem Spanier José Luis Arrieta (Ag2r) wurde Kohl Tagesfünfter. Der 26-jährige Österreicher fuhr nach einer entschlossenen Attacke auf den letzten beiden Kilometern, der nur der Spanier Carlos Sastre (CSC Saxo Bank) folgen konnte, nur knapp am Gelben Trikot vorbei. Kohl konnte sich mit dem Bergtrikot trösten, das er von seinem Teamkollegen Sebastian Lang übernahm. «Wir haben das heute Morgen besprochen. Bernhard hat das alles ideal umgesetzt. Leider hat es zum Schluss nicht mit dem Gelben Trikot geklappt. Darauf hatten wir gehofft», sagte Gerolsteiner-Sportdirektor Christian Henn.
«Das ist alles ein Wahnsinn für mich. Von einem Sieg in Paris zu sprechen, wäre jetzt aber vermessen», sagte Kohl. «Als ich im Funk gehört habe, es geht für mich um Gelb, habe ich alles gegeben, aber Fränk Schleck war zu schnell.» Zwar wurde Schleck von Kohl distanziert, am Ende reichte es für den 28-Jährigen aber zum ersten Gelben Trikot bei der Tour de France. «Das war heute eine super Operation des gesamten Teams. Bei meinen Kollegen muss ich mich dafür bedanken. Wir haben jetzt mit mir und Carlos Sastre zwei Trümpfe in der Hand», meinte der neue Träger des «Maillot Jaune». Schlecks Team hatte in der Anfahrt zum Schlussanstieg für mächtig Tempo gesorgt und das große Feld schließlich gesprengt.
Für den 28-jährigen Simon Gerrans, der sich erst auf den letzten Drücker mit einem Etappensieg bei der Route du Sud Mitte Juni in den Tourkader seines Rennstalls fuhr, war es der bisher größte Sieg seiner Karriere. Gerrans hatte sich im Schlussanstieg auch durch zahlreiche Attacken von Martinez nicht abschütteln lassen, auf den letzten Metern seine Sprintfähigkeiten ausgespielt und sich mit drei Sekunden Vorsprung auf den 30-jährigen Basken durchgesetzt. Sieben Sekunden dahinter rollte der überraschend starke Pate über die Ziellinie, Arrieta wurde mit 55 Sekunden Rückstand Vierter.
Gut vier Minuten dahinter kamen die Favoriten innerhalb von nur 50 Sekunden ins Ziel: Kohl (+4:03), Sastre (6./+4:03), Valverde (7./+4:12), Mentschow (8./+4:23), F. Schleck (9./+4:41), Vande Velde (10./+4:43) und der in der zweiten Hälfte des 11,4km langen und im Schnitt 6,9% steile Schlussanstieg deutlich schwächelnde Evans (13./+4:50). Als bester deutscher Fahrer kam Christian Knees mit 7:14 Minuten Rückstand auf Gerrans auf Platz 29 ins Ziel. Im Gesamtklassement belegt der 27-jährige Euskirchener jetzt Rang 26.
Nachdem die Gesamtwertung auf den ersten Plätzen durcheinandergewirbelt wurde, ist die 95. Tour de France so offen wie lange keine vor ihr. Gleich sechs Fahrer (Schleck, Kohl, Evans, Mentschow, Vande Velde, Sastre) liegen innerhalb von nur 49 Sekunden, so dass die beiden noch folgenden Alpenetappen viel Spannung versprechen.
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