Profi-Radsport

Am Montag Anhörung vor Anti-Doping-Agentur

Kohl will auspacken und hofft auf milde Strafe

23.11.2008 - Wien (dpa/rsn) - Bernhard Kohl will am 24. November vor der österreichischen Anti-Doping-Agentur in Wien „umfassend“ auspacken und verspricht sich davon ein mildes Urteil. Das erklärte am Wochenende sein Manager Stefan Matschinger.

Anders als bisher zugegeben hätte der 26-jährige Österreicher schon im Frühjahr in Erwägung gezogen, sich mit Dopingpräparaten zu versorgen. Kohl hätte nach den verbotenen Mitteln nachgefragt und seinen „Dealer“ gebeten, sie ihm zu besorgen. Der gelernte Kaminkehrer aus Wolkersdorf hofft, mit einer Sperre von einem Jahr davonzukommen.

In Nachuntersuchungen war der Tour-de-France-Dritte und „Bergkönig“ nach der Frankreich-Rundfahrt der Manipulation mit dem Blutdopingmittel CERA überführt worden. Anders als sein ebenfalls positiv getesteter ehemaliger Teamkollege Stefan Schumacher hatte Kohl gestanden und dabei auch seinen früheren Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer entlastet ("Er wusste von nichts").

“Bernhard wird kooperieren und er wird berichten, wie er die Substanzen bekam und wie er sie benutzte“, zitierte der Internetanbieter «cyclingnews» Matschinger am Sonntag. „Wir sprachen im März oder April zum ersten Mal davon. Ich riet ihm von Doping ab.“ Bisher hatte Kohl erklärt, nach seinem Sturz bei der Dauphiné Libéré im Juni zu CERA gegriffen zu haben, weil er mit guten Tourresultaten seine Saison retten und sich wegen des drohenden Ausstiegs Holczers für andere Teams empfehlen wollte.

Der Nürtinger Stefan Schumacher, bei der Tour Kohls Zimmergenosse, leugnet weiter Doping. Sein Anwalt Michael Lehner hatte in der Vorwoche erklärt, dass gegen seinen Mandanten beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) oder dem Weltverband UCI nichts vorliege, und er deshalb auch eine Lizenz für 2009 beantragen wolle. Zuständig für das Verfahren gegen Schumacher ist zunächst die französische Anti-Doping-Agentur AFLD, die während und nach der Tour der France sämtliche Dopingtests vorgenommen hatte. Lehner steht im Schriftverkehr mit der AFLD. Die Öffnung der B-Probe steht noch aus.

Schumacher hatte beide Tour-Zeitfahren gewonnen und das Gelbe Trikot zwei Tage getragen. Der 27-jährige WM-Dritte von 2007 hatte am Saisonende einen Vertrag bei Quick Step unterzeichnet. Teamchef Patrick Lefevere betrachtet wegen des positiven Dopingtests den Vertrag aber als „null und nichtig.“

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