Profi-Radsport

Ullrich plant sportlichen Höhenflug

23.02.2001 -

Berlin (dpa) - Dem Fall der T-Aktie will Jan Ullrich auf seine Art mit einem sportlichen Höhenflug entgegenwirken. Obwohl die Zeit für Gehaltserhöhungen bei Telekom nicht günstig erscheint, lässt sich der Olympiasieger bei den schon Monate währenden Vertragsverhandlungen «nicht nervös» machen.

«Es hat Gespräche im Januar in Mallorca gegeben, die Verhandlungen sind im Fluss. Unsere Vorstellungen liegen auf dem Tisch. Ich gehe davon aus, dass ich mich auf jeden Fall mit Telekom einige. Ich bin mit dem Team gewachsen und das Team mit mir», sagte Ullrich in einem dpa-Gespräch fünf Tage bevor er bei der Valencia-Rundfahrt in die neue Saison startet. Sein bestehender Kontrakt, der ihm pro Jahr rund zwei Millionen Mark bringen soll, läuft Ende des Jahres aus.

«Ich will in meiner Karriere unbedingt noch ein Mal die Tour de France gewinnen und habe in den letzten drei Monaten alles dafür getan. Aber einen Tour-Sieg zu programmieren, ist nicht drin. Ich habe mir immer vorgenommen, pro Jahr ein, zwei große Dinger zu machen, und das ist mir auch immer gelungen», sagte der 27-Jährige nach der Rückkehr von seiner zweiten Südafrika-Reise, auf der sich der Telekom-Kapitän im Training den letzten Schliff für sein Saison-Debüt in Spanien geholt hat. Nach der Valencia-Rundfahrt (27. Februar - 3. März), bei der Ullrich auch auf Marco Pantani (Italien) treffen wird, folgt ab 7. März die Murcia-Rundfahrt, bei der es ein Wiedersehen mit seinem Tour-Bezwinger Lance Armstrong (USA) geben soll.

«Ich freue mich auf meinen ersten Wettkampf und habe das Training langsam satt», sagte Ullrich, der von sich und der anderen Tour- Prominenz in Spanien noch keine Wunderdinge erwartet. Er will seinen Ehrgeiz drosseln und schraubt gleichzeitig hohe Erwartungen zurück. «Vielleicht sollte ich versuchen, in den ersten Rennen nicht jeden Tag um jeden Meter mitzukämpfen», meinte Ullrich, der durch gebremste Fahrt Kraft-Reserven erhalten und ein Rezept gegen seine Infekt- Anfälligkeit finden will: «Hoffentlich komme ich diesmal ohne Krankheiten durch den März und April - bisher lief es gut.»

Der Fitnesstest in der Uni-Klinik Freiburg nach seiner Rückkehr aus Südafrika habe ihm gezeigt, «dass es mir im Pulsbereich ab 150 noch wehtut». Deshalb wolle er ab jetzt an der Intensität arbeiten, wozu die Rundfahrten in Spanien beste Gelegenheit bieten. Das italienische Etappenrennen Tirreno-Adriatico, fast immer von schlechtem Wetter begleitet, will Ullrich in diesem Jahr meiden. Im Vorjahr hatte er sich dort eine langwierige Erkältung eingefangen. Ohnehin sei er wohl auch diesmal kein Kandidat für das erste Weltcup- Rennen Mailand-San Remo am 24. März, bei dem Erik Zabel auf seinen vierten Sieg zusteuern will.

«Zurzeit sind bei uns schon mindestens zehn Fahrer in der Form, Erik dort optimal unterstützen zu können. Ich will mich da eigentlich nicht einmischen», sagte Ullrich am Freitag. Zum ersten Mal äußerte sich der Zeitfahr-Weltmeister von 1999 auch zu den diesjährigen Titelkämpfen im Oktober in Lissabon: «Die weitere Planung hängt natürlich vom Tour-Ausgang ab, aber die WM könnte interessant sein, weil dort noch warme Temperaturen zu erwarten sind.»

Live-Ticker