Profi-Radsport

Rad-Wildwest auf Kuba: Team Nürnberger steigt aus

25.02.2001 - Havanna/Santo Domingo (dpa) - Radsport-Wildwest in der Karibik: Die sportlich wenig bedeutende Kuba-Rundfahrt machte im Finale Schlagzeilen durch handfeste Raufereien und dem Ausstieg des kompletten Teams Nürnberger. Auch bei der Rundfahrt durch die Dominikanische Republik, bei der der Berliner Andre Kalfack in der Gesamtwertung an der Spitze liegt, sollen chaotische Zustände herrschen.

«Die Sicherheit meiner Fahrer war nicht mehr gewährleistet, nachdem sie im Ziel der 10. Etappe von kubanischen Fahrern mit ausgebauten Vorderrädern verprügelt und während des Rennens getreten und mit Trinkflaschen beworfen worden waren», sagte der sportliche Leiter der Nürnberger, Bert Dietz.

Bis zum Eklat gehörten seine Fahrer Thorsten Wilhelms (Hannover) und Robert Förster (Mark Kleeberg) mit zusammen drei Etappensiegen zu den erfolgreichsten Radprofis bei der Fahrt über die Zuckerinsel. Bis zum Ausstieg hatte der Nürnberger-Fahrer Artour Babaitsew (Russland) auf Rang drei noch gute Aussichten auf den Gesamtsieg. Ihn trennten vor dem Zeitfahren lediglich 34 Sekunden von dem führenden einheimischen Titelverteidiger Pedro Roberto Perez.

Auslöser der Aggressionen der Gastgeber war offensichtlich ein Protest des Teams Nürnberger gegen die Veranstalter, die nach unsportlichem Verhalten kubanischer Fahrer nicht hart genug eingegriffen hätten. Perez soll mit unerlaubter Hilfe von 20 Kollegen, die ihn nacheinander geschoben haben sollen, eine Bergankunft gemeistert haben. Der Titelverteidiger erhielt dafür von der Jury lediglich eine Zeitstrafe von 30 Sekunden. Der kolumbianische Rennkommissar hatte den Ausschluss von 20 Fahrern aus Mangel an Beweisen abgelehnt.

«Der Grund für unsere vorzeitige Abreise war nicht die geringe Bestrafung sondern die Gewalt, die mir Angst machte. Ich konnte die Verantwortung für meine Jungs nicht mehr übernehmen», sagte Dietz. Neben der GS II-Mannschaft aus Nürnberg waren einige Fahrer der italienischen Mapei-Mannschaft die einzigen europäischen Profis bei dieser Rundfahrt, die so perfekt ins Vorbereitungs-Programm des Zweitliga-Teams aus Franken passen sollte.

«Essen, Unterkünfte, die Sicherheit - ein einziges Chaos. Wir überlegen ähnlich wie die Nürnberger auf Kuba auszusteigen», mailte der Münchner Fahrer Thomas Hartmann aus Santo Domingo. Außerdem berichtete er von Unregelmäßigkeiten bei der Zeitnahme und den Platzierungen. Die «Vuelta Independencia Nacional» in der Dominikanischen Republik geht am Montag zu Ende.

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