An Krebs erkrankter Toursieger gibt Doping zu

Fignon: "Im Vergleich mit dem heute Üblichen ein Witz"


Laurent Fignon

Foto: ROTH

14.06.2009  |  Berlin (dpa) - Laurent Fignon kämpft den Kampf seines Lebens. Die hochdramatische Auseinandersetzung mit dem Amerikaner Greg LeMond, die der Franzose 1989 nach 3285 Tour-Kilometern auf den Pariser Champs Elysées mit acht Sekunden verlor, war ein Witz dagegen.

Der 48-jährige Fignon, 1983 und 84 zweimal Gewinner der Tour de France, hat Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Im französischen Fernsehen TF1 fand er bewegende Worte: "Wenn es schnell zu Ende gehen sollte, habe ich nichts zu bereuen. Ich habe ein schönes Leben gehabt. Ich will nicht sterben, aber ich habe keine Angst davor." Sein Krebs hat bereits Metastasen gebildet, Fignon befindet sicht mitten in der Chemotherapie.

Sein charakteristischer blonder Zopf ist mittlerweile einer schütteren Kurzhaar-Frisur gewichen. Aus dem erfolgreichen und selbstbewussten Radprofi wurde ein etwas fülliger Eurosport-Kommentator, der sich zeitweise auch als Radsport-Veranstalter versuchte. Am Tag vor der Veröffentlichung seine Buches "Nous étions jeunes et insouciants" (Wir waren jung und sorglos) machte Fignon seine Krankheit öffentlich und sprach auch über Doping.

Während seiner Karriere, in der er 1989 auch den Giro d`Italia und den Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo (88/89) gewann, habe er wie alle anderen auch Amphetamine und Kortison genommen, "niemals Wachstumshormone oder EPO, das mir 1993 angeboten wurde". Er könne nicht sagen, ob Medikamentenmissbrauch während seiner aktiven Karriere schuld an seiner schweren Erkrankung sei.

"Ich habe den Ärzten offen gesagt, was ich genommen habe. Sie sagten, verglichen mit dem heute Üblichen in Radsportkreisen ist das ein Witz und als Erklärung für meinen Krebs zu simpel", sagte Fignon. Heute sei es noch zu früh zu sagen, welche Dopingfolgen bei den nachfolgenden Generationen auftreten würden: "Das wird man später sehen". Zu seiner Zeit hätten "alle dasselbe gemacht, wie sie es heute auch tun", so Fignon.

Der Brillenträger mit dem Touch des Intellektuellen und Unangepassten will wie in seinem früheren Leben als Profi nicht resignieren. "Ich weiß nicht, wie lange mir noch bleibt, aber ich bin Optimist und werde kämpfen und gewinnen", sagte Fignon, der seinen ersten Tour-Triumph erst 22 Jahre alt war und den Sieg damals dem Sturzpech seines Landsmanns Pascal Simon zu verdanken hatte. Ein Jahr später 1984 bestätigte er den Erfolg und machte seine Meisterprüfung, als er den großen Bernard Hinault bezwang.

Fignons verlorener Sekundenpoker fünf Jahre später gegen LeMond ist als knappste Niederlage seit 1947 in die Geschichte der Tour de France eingegangen.

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