Ullrich geht angeschlagen ins neue Jahr

09.01.2002  | 

Palma de Mallorca (dpa) - Wenn Jan Ullrich für 2002 zwei Wünsche frei hätte, wären das der «Toursieg und im gleichen Atemzug Gesundheit». Der zweite Teil seines Wunschzettels bereitet dem 28-Jährigen zur Zeit etwas Kopfzerbrechen. Den ersten 2 500 Trainings-Kilometern im Dezember in Südafrika ließ der Toursieger von 1997 eine schwere Erkältung folgen.

«Über Sylvester lag ich mit Fieber im Bett. Ich konnte zehn Tage nicht trainieren», sagte der zweifache Zeitfahr-Weltmeister zu Beginn des Trainingslagers auf Mallorca. Aber er gewann der ersten Irritation in der Vorbereitung auf seinen großen Saison-Höhepunkt Tour de France auch Positives ab: «Vielleicht bleibe ich dafür jetzt von solchen Rückschlägen verschont.»

Eine Grippe beim Giro d`Italia hat Ullrich im Vorjahr womöglich eine noch bessere Tour gekostet. «Ich weiß, was mir fehlt, um Armstrong zu schlagen», sagte der viermalige Tour-Zweite, der nicht mit der Mannschaft, sondern mit den beiden Telekom-Neulingen Dirk Reichel und Stefan Schumacher unter der Regie seines Trainers Peter Becker trainierte. Die Lösung des Problems in Bezug auf seinen zweimaligen Tour-Bezwinger Lance Armstrong hört sich simpel an: «Ich muss nur etwas früher dran sein.» Damit meint Ullrich: Sein «Motor» muss schon zeitiger als in den vergangenen vier Jahren üblich auf Hochtouren laufen können, damit er im Juli unter Volldampf steht.

Diese Erkenntnis brachte ihm die vergangene Saison, in der er von Juli bis Oktober Topform hatte. «Ich habe keine Angst mehr davor, wenn ich vor der Tour schon gut fahre. Ich kann meine Form halten.» Wenn «alles gut läuft», könnte sich Ullrich schon beim Weltcup-Rennen Amstel Gold-Race am 28. April - dort wurde Armstrong im Vorjahr Zweiter - einen ersten, ernsthaften Test vorstellen.

Für einen beschleunigten Saisonstart hat Ullrich bisher alles getan. Die Krankheit ist laut Teamchef Rudy Pevenage «kein Drama». Becker, der den gebürtigen Rostocker seit dessen 13. Lebensjahr kennt, ist exklusiv für seinen Schützling da, der bei der neu geschaffenen Katar-Rundfahrt ab 21. Januar so früh wie nie in die Wettkampf-Saison einsteigt. Danach ist ein zweiter, dreiwöchiger Südafrika-Aufenthalt bis 21. Februar geplant.

Die europäische Saison soll Ullrich in Spanien Ende Februar oder Anfang März bei der Valencia- oder der Murcia-Rundfahrt, für die auch Armstrong und der Italiener Marco Pantani gemeldet haben, starten. Der Kurs der direkten Warmlaufphase für die Tour, ob wieder Giro oder stattdessen Deutschland-Rundfahrt und Tour de Suisse, ist noch nicht festgelegt. «Je nach dem, wie ich mich fühle», meinte Ullrich. Armstrong, seit zwei Jahren bei der Tour das Maß der Dinge, gilt als Meister der punktgenauen Vorbereitung.

Im Team mit Becker will Ullrich an sein erfolgreiches Jahr 1997 anknüpfen. Der Coach aus Berlin führt in den Trainingsphasen wieder den Taktstock wie vor fünf Jahren. Aber nicht ständig, denn Ullrich hat in den 15 Jahren der gemeinsamen Tätigkeit mit Becker auch Emanzipatorisches geleistet. «Das ist keine schlechte Partnerschaft, wir sind auf einer Welle. Aber ich muss es nicht immer haben, dass er um neun Uhr vor meiner Tür steht und mich zum Training holt. Ich bin kein kleines Kind mehr», sagt Ullrich, der auf Mallorca mit dem Telekom-Team im Golf-Hotel in unmittelbarer Nachbarschaft zu Claudia Schiffer logiert.

Eine Gewissheit hat Ullrich bereits sechs Monate vor dem Tourstart am 6. Juli in Luxemburg: «Wenn Lance sich im Vergleich zu 2001 noch ein Mal steigern könnte, kann sich keiner mehr etwas ausrechnen.»

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