Profi-Radsport

Rettungsplan soll helfen

Sixdays in Not – nur Berlin boomt

03.02.2010 - Berlin (dpa) - Der Sport im Hamsterrad hat seine Anziehungskraft weitgehend verloren - Ausnahme: Berlin. 2008/2009 fanden in Europa noch 17 Sechstagerennen statt. In dieser Saison war die Mischung aus Radsport, Show und Schunkeln nur noch in elf Städten mehr oder weniger reizvoll.

In München fand das letzte Sechstagerennen im November vorigen Jahres statt, das Rennen in Dortmund wurde abgesagt, in Stuttgart war bereits im Januar 2008 Feierabend. Im kommenden Jahr wird es in Deutschland nur noch in Bremen und natürlich im europäischen Geburtsort Berlin Sixdays geben - wenn nicht ein Rettungsplan greift, der das Sterben der Sechstagerennen verhindern soll.

Hannover, Köln, Frankfurt und Leipzig wollen einen Neuanfang wagen. An der Spitze steht der Berliner Sechstage-Chef Heinz Seesing, der die Traditionsveranstaltung in der Hauptstadt vor 13 Jahren nach einer Zwangspause wiederbelebte. Beim Finale in Berlin fanden Gespräche zwischen Seesing und Messevertretern aus Leipzig statt. Die sächsische Metropole, zuletzt 1998 Sechstage-Standort mit wenig Zuschauerzuspruch, will den Termin der Sixdays von München. In Hannover soll ein „Weihnachtspreis“ stattfinden.

Berlin, wo im kommenden Jahr das 100. Sechstagerennen ansteht, war schon immer ein besonderes Pflaster für den US-Import. Trotz Wirtschaftsflaute und vereister Straßen kamen auch diesmal zusammen wieder über 70.000 Besucher ins Velodrom in den Ostteil der Stadt, wo früher die Werner-Seelenbinder-Halle stand. Von solchen Zahlen träumt die Konkurrenz. Seesings Konzept funktioniert. Das Publikum, oft noch alter Friedensfahrt-Tradition verpflichtet, jubelt im stets vollen Haus dankbar.

Die bis zu 15 Sponsoren blieben auch beim insgesamt 1450. Sechstagerennen der Geschichte an der Rolle und sichern den Drei-Millionen-Etat. Sogar der Senat macht sich für das große Jubiläum ab 27. Januar 2011 besonders stark. 2013 will der 72 Jahre alte Seesing aufhören, der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) will sich im gleichen Jahr um die WM in Berlin bemühen.

“Dortmund war zum Beispiel einem Sponsor ausgeliefert. Wer auf tönernen Füßen steht, wackelt. Wir sind breit aufgestellt und erarbeiten mit unseren Geldgebern rechtzeitig gemeinsame Konzepte, die auch außergewöhnliche Schwierigkeiten wie die Dopingaffären oder die Wirtschaftskrise aushalten“, nannte Seesing einige Gründe für das florierende Geschäft in Berlin. „Schon im Mai haben wir 50 Prozent unserer Kartenbestellungen unter Dach und Fach, und auch die Politik hilft: Der Sechstage-Vertrag mit dem Senat läuft bis 2022.

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