Zberg feierte dritten Schweizer Sieg am Henninger Turm

01.05.2001  | 

Frankfurt/Main (dpa) - Marcus Zberg hat die Serie der Telekom- Heimsiege am Henninger Turm beendet. Der Schweizer Meister entschied die 40. Auflage in Frankfurt/Main im Spurt vor dem Italiener Davide Rebellin, mit dem er sich 66 km vor dem Ziel abgesetzt hatte.

Zberg, dessen Bruder Beat 1996 in Frankfurt siegte, trat die Nachfolge von Kai Hundertmarck und Erik Zabel an. Udo Bölts (Heltersberg) wurde als bester Deutscher bei hochsommerlichen Temperaturen Siebter. Jan Ullrich hatte vor mehreren Hunderttausend Zuschauern an der Strecke durch den Taunus erwartungsgemäß nichts mit der Entscheidung des über 206 km führenden Traditions-Rennens zu tun.

Der Olympiasieger, in seinem Formaufbau für die Tour de France noch längst nicht so weit wie der beim Weltcup-Rennen in Maastricht vor drei Tagen Zeiter gewordene Lance Armstrong, erreichte das Ziel mehrere Minuten nach dem Sieger. Allerdings war der Abstand nicht relevant, weil die Ullrich-Gruppe vor der ersten Einfahrt auf die drei Schlussrunden angehalten werden musste, um den Kampf an der Spitze nicht zu beeinträchtigen.

Eine vorentscheidende Spitzengruppe hatte sich 72 km vor dem Ziel gebildet. In der zehnköpfigen Formation fuhren mit dem Vorjahressieger Hundertmarck (Bremthal) und dem Gewinner der Niedersachsen-Rundfahrt, Grischa Niermann (Hannover), zwei aussichtsreiche Einheimische. Aber sechs Kilometer später löste sich das spätere Sieger-Duo am letzten Anstieg zur Mammolshainer Steigung, die teilweise 12 Prozent aufwies. Keiner konnte folgen. Zu diesem Zeitpunkt hatten Ullrich und Zabel die ernsthafte Verfolgung in einer zweiten größeren Gruppe aufgegeben. Sie hatten mit dem Ausgang des Rennens nichts mehr zu tun.

Um Zberg, der in Frankfurt im Schatten des Brauerei-Turms den dritten Schweizer Sieg feierte, und Rebellin noch zu erreichen, hatte Telekom die Verfolgung zu spät eingeleitet. Die Silber- und Bronzemedaillengewinner von Sydney, Alexander Winokurow (Kasachstan) und Andreas Klöden (Cottbus), Bölts und Hundertmarck hatten sich an der Spitze einer großen Verfolgergruppe umsonst gemüht. Zum Schluss trennten sie aber nur wenige Sekunden von Zberg und Rebellin. «Ich hatte mich heute unheimlich stark gefühlt und wollte das Rennen unbedingt gewinnen», sagte Zberg, der nicht die Tour fahren wird.

«Vielleicht kamen sie mit der Organisation der Verfolgung ein bisschen spät. Aber man kann nicht von einem taktischen Fehler sprechen. Telekom fährt schon das ganze Frühjahr an der Weltspitze - das geht nicht immer», meinte der Kölner Sprinter Marcel Wüst, der seinen offiziellen Rücktritt wegen seiner Augenverletzung in den nächsten Wochen erklären wird. «Als Rebellin und Zberg weggesprungen sind, hätte einer von uns mitgehen müssen», mäkelte Telekom- Teamsprecher Olaf Ludwig, der 1994 am Henninger Turm gewonnen hatte.

Schon zehn Kilometer nach dem Start hatte sich eine vierköpfige Ausreißer-Gruppe gebildet. In ihr fuhr Zeitfahr-Vizeweltmeister Michael Rich (Waldkirch) als einziger Deutscher. Nach 80 Kilometer hatte das Quartett über sechs Minuten Vorsprung auf das Feld, in dem einige der vollmundig angekündigten Prominenten (u. a. Bartoli, Boogerd, Dekker, Heppner) fehlten. Am Mammolshainer, an dem auch Ullrich bei der ersten Ersteigung Schwierigkeiten hatte, musste Rich nach 105 km abreißen lassen und fiel schnell zurück. Als letzter der Ausreißer wurde der Belgier Tom Desmet, dessen Vater vor 40 Jahren das erste Rennen am Henninger Turm gewonnen hatte, von den Verfolgern eingeholt.

Ullrich, der am Vorabend seine Vertragsverlängerung bei Telekom bis 2003 bekannt gegeben hatte, bestreitet erst nach der Tour de France im August beim Paarzeitfahren in Karlsruhe sein nächstes «Heimspiel» in Deutschland. Nach dem Henninger Turm-Rennen geht er am kommenden Sonntag in der Schweiz beim Grand-Prix Gippingen an den Start. Danach folgt auf dem Weg zur Frankreich-Rundfahrt die Tour de Romandie, der Giro d`Italia und wahrscheinlich wie in jedem Jahr die Tour de Suisse als letzter Test.

Das zum Weltcup zählende U23-Rennen über 167,6 km gewann der Rheinbacher David Kopp 13 Sekunden vor Dirk Reichl (Bad Doberan). Beide gehören dem Ullrich-Junior-Team an.

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Tour du Limousin (2.1, FRA)
  • Baltic Chain Tour (2.2, EST)
  • Arnhem-Veenendaal Classic (1.1, NED)
  • Coppa Agostoni - Giro delle (1.1, ITA)
  • USA Pro Challenge (2. HC, USA)
  • Tour of Borneo (2.2, MAS)
DATENSCHUTZ    |    KONTAKT    |    IMPRESSUM