Ullrich genießt Wüsten-Spaß

23.01.2002  | 

Doha (dpa) - Am Persischen Golf hat Jan Ullrich gelernt, mit weniger zufrieden zu sein. Als ein Scheich die Luxus-Suite des Olympiasiegers für sich und seine vier Frauen reklamierte, zog der Telekom-Kapitän klaglos um. Ansonsten herrscht bei der Premiere der Katar-Rundfahrt eitel Sonnenschein.

«Jan war zu diesem Zeitpunkt im Jahr noch nie so gut in Form», freute sich Teamleiter Rudy Pevenage. «Zum Trainingslager auf Mallorca eine angenehme Abwechslung», fand Ullrich, der die ernsthaften Vorbereitungen für Tour-Sieg Nummer zwei noch nie so früh begann. Thorsten Wilhelms aus Hannover glückte im Ziel der «Königsetappe» nach 179 km der erste Saisonsieg für seinen Coast-Team.

Der Tour-Sieger von 1997 rollt locker und leicht im Fahrerfeld mit. Ebenso entspannt wirkt Ullrichs Auftritt vor und nach dem Rennen. Egal, ob mit einem kostbaren Jagdfalken auf der Hand, beim Säbelkampf mit einer arabischen Tanzgruppe oder als begeisterter Zuschauer beim Kamel-Rennen: Ullrich, in Begleitung seiner Freundin Gaby, beweist Sinn für Folklore und kann in diesen Tagen die Schlagzeilen aus Italien und Belgien mit Doping-Verdächtigungen vergessen.

Der Start bei dem von Rad-Legende Eddy Merckx und den Tour-Organisatoren ins Leben gerufenen Rennen scheint als Abwechslung in Ullrichs Trainingsprogramm ein Glücksgriff zu sein. Fernab der Heimat braucht sich «Scheich Ullrich» keine Sorgen um einen Rückfall in frühere Gewichtsprobleme oder unnötigen Rummel zu machen. Nur ein Autogramm in drei Tagen - das ist dem «Wüstensohn» aus Merdingen schon lange nicht mehr passiert.

Nach einer Angina und Knieproblemen zum Jahresbeginn fand der 28-Jährige in der Wüste wieder den richtigen Tritt. Vor jedem Etappenstart steigen der Kapitän und sein Team noch zu einer Sonderschicht in den Fahrradsattel, um ein bis zwei Stunden zu trainieren. «Die Mischung aus Training und Rennen in diesem Frühjahr ist eine optimale Abwechslung und Motivation», begrüßte auch Teamarzt Lothar Heinrich den Trip.

Auf Kilometer langen Autobahnen durch die Wüste ein Radrennen zu veranstalten, verwundert allerdings auch Ullrich: «Es ist merkwürdig, für eine Hand voll Scheichs auf der Ehrentribüne ein Rennen zu fahren.» Beim Start der ersten Etappe in der Hauptstadt Doha war kein Zuschauer zu sehen. Die Musiker der Militärkapelle wurden nach ihrem Auftritt auf die im Startbereich ausgelegten Perserteppiche beordert und klatschten artig Beifall für die 120 Radprofis, den Präsidenten des neu gegründeten Radsportverbandes und den Vorsitzenden des NOK, das im Jahr 2006 die Asienspiele im Wüstenstaat ausrichtet.

Der Start zur zweiten Etappe unter den Augen von fünf französischen Fremdenlegionären, drei belgischen Gastarbeitern und einem Jugendfußball-Team fand am alten Fort von Al Zubarah in der Einsamkeit der Wüste statt. Zum Zieleinlauf vor dem Hotel der Teams kommen von Tag zu Tag einige Zuschauer mehr. Wird der Sieg der Fußball-Nationalmannschaft ausschließlich von den männlichen Kataris in ihren Jeeps und Luxuslimousinen auf der Strandpromenade mit einem wilden Hupkonzert gefeiert, dürfen beim Radsport auch die Frauen an der Ziellinie stehen.

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